„Merry Christmas“?

In einer Ode des großen deutschen bzw.deutschösterreichischen Lyrikers Josef Weinheber heißt es an einer Stelle „Schrecklich ist für ein Volk, ohne den Gott zu sein, schrecklicher, wenn der Gott seinen Geweihten flieht und die herrliche dunkle Sprache hingeht, dem Tag zum Fraß“.                                                                                                                                          Weinheber gehörte zu jenen Größen der deutschen Geistes- und Kulturgeschichte, die die Wertschätzung und Pflege der Muttersprache als eine Voraussetzung für das Gedeihen und Überleben von Volk und Kulturnation sahen. Stirbt die Sprache, stirbt auch das Volk, heißt es bei anderen. Es scheint heutzutage so, als würde sich unser Volk sich selbst zum Fraß anbieten.

„Bin ein Sohn der deutschen Sprache nur…“ hieß es selbst bei österreichischen Emigranten. Von Egon Friedell bis Hannah Arendt kam, beispielsweise, das Bekenntnis zur deutschen Sprache ja unmißverständlich zum Ausdruck. Sie ehrten die deutsche Sprache und auch Kultur und können Kulturdeutsche genannt werden, was man ja heute nicht einmal mehr von so manchem nur Deutschstämmigen sagen kann.                               Ein solcher betreibt in Wien einen größeren Textil-Laden, in dem ich bisher Kunde war. Seit er aber seine Kunden mit einem unübersehbaren „Merry Christmas“ auf den Auslagenscheiben begrüßt, habe ich beschlossen, bei ihm keinen Cent mehr auszugeben.

Nun kann man zwar verstehen, daß nach einer Niederlage eines Volkes ein Angriff auf seine Sprache einsetzt, aber kann und muß man dies auf ewig gutheißen oder tolerieren? Wir wurden „befreit“ heißt es.  Aber dem widerspricht doch eben das Annehmen einer fremden Sprache, denn dies bewirke doch, so bemerkte schon der große Leibnitz, „gemeiniglich den Verlust der Freiheit“ und bedeute ein „fremdes Joch“.                         Doch anscheinend verstehen das Wort Freiheit nicht einmal mehr jene, die es ständig vor sich hertragen, dann aber bei  „Friends“ antichambrieren.

Um es klar zum Ausdruck zu bringen: Wer glaubt, ohne Anglizismen und US-Lebensstil nicht selig werden zu können, mag wissen, daß er mit ihnen eines Tages auf jeden Fall sein Eigensein  aufgibt. Er läßt sich „ein fremdes Joch aufhalsen“ (Luh-Hardegg)                         Es täte gerade in diesen besinnlichen Tagen so manchem Denglisch-„Fan“ ganz gut, sich wieder vermehrt seiner Selbigkeit zuzuwenden. Identität ist ein anderes, bekannteres Wort dafür.

Gerade Politiker sollten daran denken, es nicht bei Lippenbekenntnissen belassen und sich  nicht weiter den üblichen Sprach- und Modetorheiten hingeben. Ein solcher  sollte, frei nach Hölderlin, der Welt ein Beispiel geben, daß wir  weder  zum Ducken noch zum Nachäffen geschaffen sind.                                                                                                                  Das aber sei auch den Verantwortlichen des Gymnasiums Kundmanngasse in Wien in Erinnerung gerufen, die ihre Schüler bei ihrem Adventkonzert in der Rochuskirche vorwiegend englischsprachige Lieder vortragen ließen. Nein, wir schreiben nicht 1945 oder 1954. Bald sechs Jahrzehnte nach offiziellem Abzug des letzten Besatzungssoldaten scheint dieser bei einigen schon wieder eingezogen zu sein.

Allen Besuchern und Freunden meines Blogs frohe und erholsame Weihnachten! (Mein nächster Beitrag erscheint noch vor Jahresende mit Rück- und Ausblick.)

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3 Antworten zu „Merry Christmas“?

  1. Pingback: „Merry Christmas“? « Sache des Volkes

  2. Jaro Ruanza schreibt:

    Der Wahnsinn der täglichen Sprachverhunzung hat anscheinend Methode.Wie anders sollte man sich das erklären,wenn in den beiden Gratisblättern ständig von „kids“und „cops“ die Rede ist und man in dieser Hinsicht nicht einmal auf Leserbriefe reagiert.Noch schlimmer aber ist es,wenn eine
    Wr.Magistratsdienststelle ihre Mitarbeiter „wastewatchers“nennt,und auf manchen Reinigungs=
    fahrzeugen die Aufschrift „kehrforce“prangt! Dümmer und aufdringlicher geht es wohl nicht mehr!
    Auch die Geschäftswelt hat sich von diesem Blödsinn anstecken lassen.Gibt es doch schon seit längerem keinen Ausverkauf mehr,vielmehr steht „sale“auf den Auslagen! Aber wie schon gesagt,dahinter steckt Methode.In diesem Zusammenhang möchte ich noch die Aufmerksamkeit auf unsere Briefmarken lenken,auf denen schon lange keine Staatsform zu lesen ist.Man denkt eben an alles!

    • Peter Pan schreibt:

      Zufällig gefunden. Niemandem bisher bekannt, vielzuwenig Werbung dafür. Will wohl niemand sich den Hintern verbrennen. So jedenfalls geht’s nur noch in Abgründe mit dieser verdenglischkeit…. Beste Grüße aus Allgäu, 50 km Nordwest von füssen. H. F.

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