Vom einfachen Leben

Was braucht der Mensch zum leben?  Kluge Frauen und Männer wußten dazu einmal kluge Antworten zu geben. Aber wer hört noch auf sie? An ihre Stelle ist eine weniger kluge Wirtschaft als alleinseligmachende Rat- und Sinngeberin getreten: Kaufen, kaufen, kaufen! Konsumieren, konsumieren, konsumieren!                                                                 Egal ob notwendig oder nicht. Egal ob gesundheitsschädlich oder nicht: Das neueste Mobiltelefon, der geilste Urlaub, das unnötigste Anhängsel oder Spielzeug soll, nein, muß! es sein. Doch schaut man abseits der Öffentlichkeit, fern von Kameras, so ganz privat, in die Gesichter von „erfolgreichen“ Zeitgenossen, könnte ein feinfühlender Mensch deshalb schon in tiefe Depression verfallen. Oder tiefstes Mitleid empfinden.                                   Nirgendwo hinterläßt  ein Leben im  Überfluß und von sich ausbreitendem Nihilismus so vielsagende  Spuren wie  im Gesicht eines nimmer satten Menschen, der eigentlich alles Notwendige zum Leben hat und doch maßlos unzufrieden ist. Man muß nur genau hinschauen und die Zeichen und auch Gesten zu deuten wissen.                                                                                                                                                                    Der große Loriot sagte im Laufe eines Gesprächs einmal etwas sehr Bedeutungsvolles. Er bedauere, so der sympathische Deutsche, nicht ein einfacher Holzfäller geblieben zu sein. Was er in der kargen Zeit nach dem Krieg für einige Zeit gewesen sein dürfte.                         Loriot gehörte also sicher zu jenen, die wußten, was im Leben wirklich von Bedeutung ist, was letztlich zählt. Von so großer Bedeutung ist, daß es im Gedächtnis wie ein Leuchtfeuer stets voranleuchtet.                                                                                                                     Richtig verstehen und tiefer empfinden kann man diese Aussage wahrscheinlich erst wenn man selbst jenes einfache Leben gelebt und mit jeder Faser seines Herzens die einfachsten Dinge richtig schätzen gelernt hat. Erst recht wenn solche Augenblicke  in und mit der Natur auf kameradschaftliche Weise erlebt werden konnten.

Wie Loriot muß auch ich gestehen, daß ich meine glücklichsten Stunden nicht in dieser Überflußgesellschaft  genießen durfte, sondern, zwar nicht als Holzfäller, unter anderem als Junge bei den Kühen auf der heimatlichen Weide. Bei milder Nachmittagssonne, nachdem die Kühe sich nach dem Grasen niedergelegt hatten, legte ich mich zu ihnen und gab mich, wie einer jener Schäfer in Arnim Bretanos  Knaben Wunderhorn, den schönsten Gedanken hin. Mir ging nichts ab, ich hatte keinen weiteren Wunsch, außer den einen, daß es immer so bliebe.                                                                                                                                             Nun ist das Leben wohl garstig auch, und so konnte es natürlich nicht dabei bleiben. Die Erinnerung daran möchte ich aber nicht missen. Eher schon den Schmarrn und Plunder, den allgegenwärtigen Lärm und die unersättliche Gier und aufdringliche Eitelkeit dieser Tage. Wer weiß, vielleicht werde ich eines Tages zu der Loriot ähnlichen Einsicht kommen: wär´ ich doch bei meinen Kühen geblieben!

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