Kapitalistische Konterrevolution? Nein, danke!

Napoleon soll einmal gesagt haben, wenn eine Regierung hinsichtlich des Geldes von den Banken abhänge, dann kontrollierten diese und nicht die Führer der Regierung die wahre Lage. Seither wurde  diese Erkenntnis gewiß hundertfach bestätigt.                                     Die Rothschilds gibt es zwar weiterhin, doch  zu ihnen haben weitere mächtige Finanzhäuser aufgeschlossen. Alle  zusammen repräsentieren sie eine nie dagewesene geballte Macht, der die meist verschuldeten Staaten heute wenig entgegenzusetzen haben.

Ironie der Geschichte, gerade die  Krisen und  Katastrophen  der Jetztzeit haben die Macht der Geldverleiher und Konzernbosse noch vergrößert, und damit auch jene einer grenzenlosen kapitalistischen Wirtschaft.                                                                                     Wenn in diesem Zusammenhang von Raubtierkapitalismus die Rede ist, so ist schon etwas Wahres daran. Allerdings, ohne Mitarbeit bzw. Kollaboration der  meisten Spitzenpolitiker wäre dies wohl nicht möglich oder zumindest nicht mit so verheerenden Folgen, wie sie heute rund um den Globus festzustellen sind.

Das scheint auch der Karl-Marx-Experte Guido Carandini so zu sehen, der in der italienischen Zeitung La Republica meint, die weltweite Krise zeige, „wie aggressiv und übermächtig die Wirtschaft geworden sei. „Was als zyklische Finanz- und Wirtschaftskrise ausgegeben wird, ist in Wahrheit eine regelrechte Konterrevolution des globalisierten Kapitals“, schreibt der Politologe Carandini. Und weiter: „Das Kapital hat die Macht zerstört, welche die Revolutionen der vergangenen Jahrhunderte den nationalen Demokratien verliehen hatten…“.

Carandini spricht von einer Götterdämmerung der demokratischen Politik, die vom Bollwerk der sozialen Rechte zum passiven Instrument einer neuen kapitalistischen Macht ohne Grenzen geworden ist. Carandini fordert eine demokratische Kulturrevolution, „um der Religion des Profits die Vorherschaft über jeden anderen ethischen Wert wieder zu entziehen“.                                                                                                                                     Nun sind Geld und Macht an sich weder gut noch böse. Unbestreitbar geht aber von einem Zuviel des einen wie des anderen eine Gefahr aus. Was für die Macht gilt, daß sie die Tendenz habe  „zu verderben, absolute Macht absolut“  (Lord Acton*), gilt auch für das Geld.

Aufgrund der Globalisierung konzentrieren sich nun aber einmal Geld und Macht in wenigen Händen, die über Industrie-,Banken- und Versicherungskonzerne, ja über ganze Länder herrschen. Da bleibt für Politiker fast kein Gestaltungsraum mehr, ja Politiker anerkennen in Wirklichkeit  von sich aus längst das Kapital bzw. die Wirtschaft als erste Steuerungsinstanz.                                                                                                                               Und so ist in wenigen Jahrzehnten die so genannte parlamentarische Demokratie durch bloße Machterhaltungsinstitutionen des Parteienstaates überwuchert und verschlissen worden. Der programmierten Pleite des Staates kann daher nur jene des politischen Systems folgen.

Wenn nun Karl Marx im Wesentlichen den Nagel zwar auf den Kopf getroffen hat, als Unternehmer wäre er ebenso wie als Politiker kläglich gescheitert. Und wohl auch das Gros jener heutigen  Linken, die in der Vergangenheit in ihren Analysen durchaus nicht immer ganz daneben lagen. Aber etwas feststellen ist eine Sache, etwas besser zu machen, eine andere.                                                                                                                                                    Dazu schrieb der keineswegs rechte Georg Orwell einmal: „Sämtliche Linksparteien in den hochentwickelten Industrieländern beruhen im Grunde auf einem Schwindel, weil ihre Tätigkeit darin besteht, gegen etwas zu kämpfen, das sie in Wahrheit gar nicht zerstören wollen“ **

Wir haben in der Tat genug  Beispiele von  Politikern, die im Vordergrund mit typisch linken Glaubensbekenntnissen und Gerechtigkeitsphrasen zu brillieren versuchen, im Hintergrund dann aber mit den Mächtigen über Privatisierung, Deregulierung, Job-Abbau, Steuererleichterungen, Cross-Border-Leasing usw. mauscheln, wohl auch um sich für danach ein komfortables Zubrot sichern zu können.

Kurz und gut, die Schröders und Gusenbauers sind, ob Diktatoren oder Geldsäcke  als Ansprechpartner, so wenig zimperlich wie der Paradelinke und Ex-Minister Lacina, dem ein Aufsichtsratsposten in der Madoff-nahen Bank Medici der Frau Kohn durchaus nicht ungelegen gekommen sein dürfte. Daß die rechte Reichshälfte der Kohls und Schüssels da auch nicht weniger verdorben ist, verwundert da schon weniger.                                         Eingedenk der wahren Lage schwankt der Bürger zwischen Resignation und Empörung. Solange aber Brot und Spiele von der Politik  noch finanzierbar sind, wenn auch mit neuen Schulden, hält sich die Wut noch in Grenzen.

Das globalisierte Kapital kann also vorerst getrost so weiter machen, solange dienstbare Geister der Politik ihm  in die Hände arbeiten, die noch dazu es ermöglicht haben, daß sich die raubtierkapitalistische Idee in Institutionen und Gesetzen des Staates zum Schaden des Volksganzen einnisten konnte.                                                                                               Wenn aber der  „Despotismus der Geldmächte“,  wie der christlich-soziale Theoretiker Karl von Vogelsang ihn einmal nannte, nicht gebrochen wird, werden wir noch in eine der schwersten Katastrophen schlittern.                                                                                                                                                                      Es ist wohl kein Zufall, daß die Geld- und Kredithaie und die mit ihnen verflochtenen internationalen Konzerne drei Hindernisse auf ihrem Weg zur globalen Alleinherrschaft aus dem Wege geräumt sehen wollen: bodenständige Landwirtschaft (als eine tragende Säule einer gesunden Volkswirtschaft), bodenständige Kultur  (als geistige und moralische Festung) sowie den souveränen Nationalstaat (mit seiner eigenen Währung).

Womit eigentlich klar sein sollte, wie der Konterrevolution des internationalen Kapitals begegnet werden müßte, nämlich: national und revolutionär.                                              Aber noch hören das biedermeierlich gestimmte oder dekadente Zeitgenossen gar nicht gerne. Ich aber meine, wer heute schon in die Hose macht, wird morgen in das sprichwörtliche Gras beißen müssen.

*John Dalberg Acton, Politiker und Schriftsteller,1843-1902                                                 ** „Im Innern des Wals“, Diogenes 1974

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5 Antworten zu Kapitalistische Konterrevolution? Nein, danke!

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    Der Artikel könnte treffender nicht sein. Mit der conclusio, man könne der Situation nur national und revolutionäre beikommen, habe ich allerdings ein Problem. Wie sollte das durchgeführt werden? Revolutionären dieser Art würde keine NATO beispringen; die würde solche Bestrebungen niederschlagen, vielleicht wäre die Sache auch bereits dann gestorben, wenn die internatioale „Wertegemeinschaft“ irgendwelche „strenge Verurteilungen“ absonderte. Man müßte Geld und Einfluß haben, aber dann ist man wahrscheinlich bereits ins andere Lager gewechselt. Mit Mut und Charakter allein wird nichts zu gewinnen sein. Eine außergewöhnlich überzeugende und charismatische Figur könnte allenfalls im Rahmen der etablierten Mechanismen soviel Zuspruch bekommen, daß damit etwas anzufangen wäre, nur: die haben wir nicht; es wäre alles eine Nummer zu klein. Wird die Volkswut allzu groß, könnte es Unruhen geben, die würden aber vom Pöbel getragen werden, von dem keinerlei konstruktiver Ansatz käme. Vielleicht gibt es einmal irgendwelche Imponderabilien, durch die sich neue Perspektiven eröffnen. Allerdings kann ich mir derzeit nicht vorstellen, was das sein könnte.

    • Helmut Müller schreibt:

      Alles sehr schwierig und kompliziert, keine Frage. Und es hängt eben von den späteren Umständen, der allgemeinen Lage und vielen, wie Sie sagen, unabwägbaren Dingen ab. Vor allem von dazu bereiten Menschen, ihrer Zahl, ihrem Wollen. Vorstellen kann man sich aber in aller Kürze schon, daß, im Idealfall, Sprache und Begriffe dann endlich wieder stimmen sollten, der Primat der Politik wiederhergestellt und Leben und Arbeit neu organisiert gehörten. Von selbstverwalteten Gemeinden und Betrieben bis hinauf zur souveränen Nation. Dazu eine neue politische Ethik, auch frei von selbstauferlegter historischer Last, anerzogenen Schuld- und Minderwertigkeitskomplexen, soweit es das deutsche Volk im Besonderen und den Europäer (als ehemaligen Kolonialherrn) im Allgemeinen betrifft. Darüber und mehr wird noch weiterführend zu diskutieren sein. Und zwar europaweit. Jede Nation, jedes Volk sollte am Ende aber seine Staatsform nach seiner Art formen können, und keine EU und kein Konzern hätte da hineinzureden. Wie wir so weit kommen? Durch „revolutionäre“ Anstrengung und Geduld, Augenmaß und Vernunft. Ein Spaziergang wird es nicht, und es hängt ganz von unserer Tatkraft und Ausdauer ab, ob wir sicher ankommen werden.

  2. Karl Malden schreibt:

    Vollkommen richtig. Wer heute noch nicht kapiert hat, wohin das ganze führt, wenn wir nicht bald gegensteuern, ist an seiner zukünftigen Lage selber schuld. Traurig nur, daß auch andere zum Handkuß kommen werden.
    Eine Revolution? Warum nicht, je eher desto besser und umso unblutiger.

  3. Boris schreibt:

    Eine Revolution in Österreich? Sicher, aber nicht durch die echten Österreicher!

  4. Pingback: Kapitalistische Konterrevolution? Nein, danke! « Sache des Volkes

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