Jede Menge Schurken

Schurke Gaddafi spielt mit seinen Gegnern anscheinend Katz und Maus. Somit bekommt die Bürgerkriegstragödie in Libyen auch noch einen gewissen Unterhaltungswert. Einen solchen hätte der improvisiert wirkende Vorstoß der Rebellen auch gehabt, hätten nicht die NATO-Schurken wider Völkerrecht und entgegen den tatsächlichen Vorgaben der UNO-Resolution von Anfang an so massiv und ohne Rücksicht auf zivile Opfer auf deren Seite eingegriffen.

Ganz im Widerspruch zu den von unseren Medien verbreiteten Jubelmeldungen und Desinformationen der Aufständischen, darunter auch jede Menge Schurken,  haben diese die Lage aber noch nicht wirklich im Griff. Und diese ist verworrener denn je und könnte sich noch zu einem Klotz am Bein der Schurken Obama, Sarkozy und Co. entwickeln. Von nicht enden wollenden Guerilla-Kämpfen  bis zur Teilung des Landes  scheint alles möglich. Was unter Umständen längerfristig nicht ohne Folgen für Europa bliebe.

Allein die Ermordung von General Junis vom einflußreichen Stamm der Obeidi und die vom Übergangsrat (bestehend aus Wendehälsen, Exilanten, Stammesfürsten und Islamisten) verschleppte Aufklärung  des Verbrechens  könnte spätestens in der Nach-Gaddafi-Ära noch ein gefährliches innerlibysches Problem werden. Chef des Übergangsrates ist ja bekanntlich der Ex-Gaddafi-Mann Dschalil, und der soll Junis als Konkurrent gesehen haben. Dschalil gilt als Mann des Westens.

Derselbe Dschalil, dem innerhalb der Aufständischen nicht nur deshalb durchaus nicht alle Sympathien gelten, hatte übrigens vor Jahren als Präsident des Berufungsgerichtes erst die Todesstrafe, dann die lebenslange Haftstrafe im Falle jener jahrelang inhaftierten bulgarischen Krankenschwestern, die beschuldigt wurden, libysche Kinder mit HIV infiziert zu haben,  zweimal bestätigt, ehe diese 2007 freigelassen wurden.                      2010 ist Dschalil, der aus dem seit jeher oppositionellen Osten Libyens stammt, nach einem Zerwürfnis mit Gaddafi als Justizminister zurückgetreten und hat sich danach den Rebellen zur Verfügung gestellt.

Aber nicht nur der Fall des Generals Junis ist ein Beispiel für die Widersprüchlichkeiten im heutigen Libyen. So ist, zum Beispiel, die immer wieder heftig umkämpfte Stadt Misratah auf wahrnehmbare Distanz zum Übergangsrat gegangen. Sehr interessant ist auch die Beobachtung, die ein Rebellen-Sympathisant der Stadt Zaouia gemacht haben will. Er glaubte, die ganze Stadt sei für die Rebellen, als aber Gaddafi-Leute einrückten, versorgten ausgerechnet seine Nachbarn diese mit wertvollen Informationen.

Nicht vergessen werden soll schließlich, daß es vor allem auch ein Krieg des Schurken Sarkozy ist. Wie kein anderer Politiker hat er dessen Realisierung betrieben. Französische Geheimdienstleute waren von Anfang an in die Vorbereitungen eingebunden. Sarkozys Regierung hat mit Hilfe Quatars unter anderem umfangreiche Waffenlieferungen an die Rebellen sowie, zum Zeitpunkt des entscheidenden Angriffs, ein Kommandounternehmen per Schiff von Misrata aus nach Tripolis ermöglicht.

Was könnte Sarkozy, der zuvor  noch ein umfangreiches Wirtschaftsabkommen mit Gaddafi unterzeichnet hatte, zu diesem fanatischen Engagement getrieben haben? Auf der „Seite der Unterdrückten“ zu kämpfen, wie er vorgab,  kann es wohl nicht gewesen sein. Da hätte er schon genug vorher anderswo zu tun gehabt.                                                     Ganz im Gegenteil: Dem tunesischen Diktator Ben Ali wollte er noch polizeiliche Unterstützung  zur Unterdrückung der Opposition zukommen lassen. Das Öl allein kann es wohl auch nicht sein, denn das hätte ihm Gaddafi auch weiterhin geliefert.

Der Schlüssel zu dem Rätsel liegt, sehen wir von dahinterstehenden US-amerikanischen Interessen einmal ab, in diesem Fall möglicherweise im ganz Persönlichen. Nachdem der unberechenbar gewordene  Libyer während der großen Unruhen in den Pariser Vorstädten die Unterdrückung muslimischer Frauen in Frankreich angeprangert und die muslimische Jugend dort gar zum Aufstand aufgerufen hatte, stiegen dem exzentrischen „Clown“ (Saif Gaddafi) Sarkozy wohl die Haare zu Berge.

Als aber der libysche Führer bei Ausbruch der Unruhen in Libyen Sarkozy auch noch vorwarf, die Hand auf libysche Ölquellen legen zu wollen (was für eine Unterstellung, nicht wahr?), da war es mit der  Freundschaft ganz und gar vorbei. Der Mann ist verrückt, soll der nicht minder verhaltensauffällige wesentlich kleinere Nicolas dann über Gaddafi gesagt haben.                                                                                                                                                Nun gut, es müßte doch normalerweise auch einer verrückt sein, deshalb einen Krieg anzufangen. Oder? Aber es ging ja um noch mehr: Der eitle Präsident, beraten vom zionistischen Vordenker  BH Levy, möchte ja bald wiedergewählt werden, als großer Stratege selbstverständlich.  In den mißbilligenden Worten einer  hohen französischen  Persönlichkeit, die nicht genannt werden möchte, klingt das so: „Ein Präsident, der keine Hemmungen hat, für seine Wiedewahl das militärische Instrument zu benützen“. Wirklich grandios! Ist das nicht Amtsmißbrauch?

Als Endergebnis dieses militärischen Eingreifens, das natürlich nur mit Unterstützung Washingtons möglich war, könnte dereinst – nach unendlichen Wirren – ein islamistisches Regime das Land unter seine Knute zwingen. Was ja selbst für Tunesien und Ägypten nicht mehr ganz ausgeschlossen wird.                                                                                                  Das aber wäre den alliierten Vorkämpfern für Menschenrechte und Freiheit gewiß völlig egal. Hauptsache eine Regierung, welcher Art auch immer, arbeitet mit dem Westen eng zusammen und läßt den Konzernen genügend profitablen Spielraum.  Ähnlich wie im fundamentalistischen  Saudi Arabien, wo die Gleichberechtigung und die Meinungsfreiheit weniger gelten als sie unter Kadaffi gegolten haben.

P. S. Wer über die scheinheilige Politik Washingtons bzw. dessen Methoden zur Machtausweitung oder -Absicherung mehr wissen möchte, dem sei John Perkins Buch „Bekenntnisse eines Economic Hit Man“ (Riemann Verlag) empfohlen.                                  Demnach geht man so vor: Erst wird ein „unabhängiger“ Berater oder  Vermittler (in Wirklichkeit Geheimdienstmitarbeiter) in ein Land gesandt, um die regierende politische oder wirtschaftliche  Elite in eine ökonomisch oder politisch erwünschte  Richtung zu bringen oder hinterhältig raffinierte Verträge auszuhandeln. Geht die jeweilige Regierung oder Behörde darauf nicht ein, wird ein Attentat oder Ähnliches inszeniert. Hilft das auch nicht, wird ein Grund für ein militärisches Vorgehen gefunden.                                                   So sichert US-Amerika also seine Vorherrschaft: mittels Staatsterrorismus. Warum soll also nur  Schurke Gaddafi auf die Anklagebank?

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2 Antworten zu Jede Menge Schurken

  1. Pingback: Jede Menge Schurken « Sache des Volkes

  2. Fritz schreibt:

    Auch bei uns gibt es eine Menge Schurken, auch wenn sie sich als Herren im Nadestreif nobel zeigen. Und eben so viele findet man unter rot-grünen Gutmenschen. Wenn die könnten, wie sie wollten, gebe es nicht weniger politische Gefangene als in China oder Nordkorea.

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