Vom Sinn der Geschichte

Einst hing der Christen Himmel voller Geigen. Jetzt aber werde  ihnen weltweit der Marsch geblasen, wie der Inhalt einer Neuerscheinung am Büchermarkt deutlich zu machen versucht. Für manche vielleicht zu deutlich zugespitzt, wenn nicht so sehr vom Islam,  sondern mehr vom biblischen Antichristen als Gegner die Rede  ist. Letzterer soll ja erstmals in der Person des Talmud-Juden in Erscheinung getreten sein. Er  sei, dem Autor des Buches „Der Sinn der Geschichte“*, Friedrich Romig,  zufolge, die größte Gefahr, denn der jüdische Geist habe das Abendland längst fest im Griff. So in etwa könnte man das Problem, das den leidenschaftlichen Katholiken Romig beunruhigt und intellektuell umtreibt, charakterisieren.                                                                                                                 Ist die „Judaisierung“ oder „Zionisierung“ der Welt, wie nun vom Autor behauptet wird, tatsächlich unser Schicksal und zugleich auch der Sinn der Geschichte? Beinahe möchte man es nach lustvollem Lesens des nicht ganz dogmenfreien Buches so annehmen.            Was aber könnte der Sinn der Geschichte denn sonst noch sein? ist man versucht zu fragen. Die trotz enormer Rückschläge doch irgendwie feststellbare Höherentwicklung des Menschen? Die  klassenlose Gesellschaft des Karl Marx? Oder hat Geschichte überhaupt keinen Sinn? wie die Nihilisten behaupten. Für Romig, dem der christliche Passionsweg bis hin zur Auferstehung allein sinngebend zu sein scheint, wahrscheinlich müßige Fragen. Doch vermag der Mensch über den Sinn der Geschichte so eindeutig Bescheid zu wissen, den Plan des Kosmos zu fassen? Wäre er dann nicht selber Gott?  mag sich auch da so mancher kritische Leser fragen.                                                                                                    Gewiß, der Mensch hat, erdgeschichtlich gesehen, relativ spät damit angefangen über diese Frage nachzudenken. Neben anderen Völkern auch die alten Hebräer, die aber die Lösung des Rätsels einfach dem von ihnen erdachten Gott, dieser ein Zentralist und Despot der alten Schule, überließen.-Denselben ließ man also eine einfache Sinngebung erfinden, die da heißt:  unterwerfe die anderen Völker! So will es der Autor dem Talmud entnommen haben, in dem Jesus übrigens als „Hochstapler“, „Schwindler“, „Betrüger“,  sogar Sohn einer Hure  genannt wird. Eine für gläubige Christen gewiß unerhörte Verleumdung.         Dieser rätselhafte Jesus war es immerhin, der als  unbequemer Querdenker und Rebell die auch politische Bühne betreten und – Berichten nach – den Pharisäern ganz gehörig in ihre gar nicht mehr koschere Suppe  gespuckt haben soll. Rückblickend konnte aber weder  dies, noch fast zwei Jahrtausende später jener Mann aus Braunau, den unaufhaltsamen Aufstieg der jüdischen Sache, die zu einer nationalzionistischen werden sollte, entscheidend bremsen. Im Gegenteil, durch das Privileg des Auserwähltseins  und einen revolutionären Geist  beflügelt,  gehe es regelrecht bergauf mit dem Judentum, mit dem eher zunehmend glaubensschwachen Christentum aber bergab, so sinngemäß Romig, der die einst am Christentum orientierten geistig-sittlichen Kräfte Europas in einem gefährlichen Ausmaß im Schwinden sieht.                                                                                                                         Wir lebten demnach, wovon auch der jüdische Schriftsteller Yuri Slezkine überzeugt ist, in einem-  trotz des  Holocaust – bestärkten und alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringenden  „jüdischen Zeitalter“ („The Jewish Century“).  Vor allem wohl  in geistesgeschichtlicher Hinsicht, und da schießt sich Friedrich Romig auf den vom Zeitgeist einst gefeierten Karl Popper („Die offene Gesellschaft“) und dessen kritischen Rationalismus bzw. Neopositivismus ein. Er bezeichnet Popper als einen der „einflußreichsten Repräsentanten  deutscher Umerziehung und der „soziotechnischen Stückwerkwissenschaften“, nicht zuletzt stehe dieser für eine Sinnlosigkeit der Geschichte.                                                                                                                                        Der Jude sei gemäß Slezkine eigentlich „Träger der Moderne“, und in einem gewissem Sinne seien wir bereits – mit dem Holocaust als neue Weltreligion im Hintergrund –  alle zu Juden geworden, so eine Folgerung des Buches. Doch niemand sei „so gut im Jüdischsein wie die Juden selbst“ (Slezkine).  Daher  auch ihr außergewöhnlicher Erfolg.                                                                                                                                                   Ist damit die Auseinandersetzung zwischen Christentum und Judentum bereits entschieden, weil, wie zu folgern wäre, der Antichrist möglicherweise bereits in uns sei, uns dadurch aber entscheidend schwäche? Diese Frage kann, dem Verständnis des Autors nach, wohl noch nicht, auch wenn es so aussieht, endgültig beantwortet werden. Romig, der katholische Ketzer wider den Zeitgeist, hat ohne Zweifel noch nicht aufgegeben und beruft sich  in diesem Zusammenhang auf die Enzyklika Benedikts XVI. „Auf Hoffnung hin sind wir  gerettet“ ,  was aber auch hieße, „den Passionsweg der Kirche mitzugehen“. Wonach es derzeit allerdings nicht so aussieht.                                                                                           Eher schon danach, daß der Israel-Lobby in den Vereinigten Staaten nahestehende Neokonservative mit ihren Vorstellungen einer Neuen Weltordnung („Satans terroristische Eine-Welt-Herrschaft“) „Turbulenzen“, gar „Endkämpfe“ heraufbeschwören könnten, die mit Jerusalem als „Licht der Welt“ („für alle Völker“)  ihren krönenden Abschluß fänden. Was durch eine „Verschmelzung der amerikanischen und israelischen Interessen“ erst so richtig vorstellbar geworden sei.                                                                                                  Man muß mit dem streitbaren Autor nicht in jedem Punkt übereinstimmen, auch nicht in seinem katholischen Glaubensverständnis, ja man muß nicht einmal Christ sein um Friedrich Romig  zuzugestehen, daß er hier ein in seiner Gründlichkeit und Schärfe, aber auch richtigen Schlüssen, „großes Buch der christlichen Geschichtsdeutung“, wie Ernst Nolte es in seinem Vorwort nennt, vorgelegt hat. Ein Buch, das zugleich als eine Abrechnung mit der von Romig so heiß ungeliebten „auf jüdischen Wurzeln“ (Sergio Quinzio) beruhenden „antichristlichen“ Aufklärung gesehen werden kann. Mit seinen vielen Fußnoten und Anmerkungen ist es ohne Zweifel auch ein nicht unwichtiges politisch nicht korrektes Nachschlagwerk.                                                                        Helmut Müller

Friedrich Romig: Der Sinn der Geschichte, Geleitwort von Ernst Nolte, Regin-Verlag 2011, 254 Seiten, Preis Euro 22,95

Bestellungen: Regin-Verlag, Postfach 0365, D-24207 Preetz oder Regin-Verlag@gmx.de

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3 Antworten zu Vom Sinn der Geschichte

  1. bubik schreibt:

    Die Juden sind also fast am Ziel. Was könnte sie noch aufhalten? Letzten Endes werden sich die Fehler häufen, und da sie auch nur Menschen sind, geht ihr Jahrhundert eben zu Ende.

    • Werner Sadowski schreibt:

      Dass das Volk Israel im endzeitlichen Panorama der Hl. Schrift eine nicht unwesentliche Rolle spielen werden, ist jedem klar, der die Hl. Schrift so liest, wie sie ist. Ebenso klar ist aber auch,. dass es Widersacher gibt, die sich im Weltmacht erstrebenden Islam immer klarer zeigen. Zeigt doch gerade der Islam die zwei Seiten des Antichristen, einmal scheinbar Christus (im Koran wird viel von Jesus und Maria gesagt, nur nicht das Entscheidende: das Bekenntnis zum Gottessohn) und andererseits Antichrist als gegen Christus verstanden wird. In jedem Fall wird in der jüdischen Religion der Messias erwartet, so wie im christlichen Glauben vom wiederkommenden Herrn die Rede ist.
      Wenn die Juden am Ziel wären, wäre eine Zeitenwende angesagt, die wir so oder so nie verhindern können.

  2. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Ohne Frage ein hoch interessantes Buch, welches aber nur der mit Gewinn zu lesen vermag, der sich auf die Argumentation des Autors ohne anerzogene Beißreflexe einzulassen vermag, um diese (für sich) kritisch zu reflektieren. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als „Verschwörungstheorie“ tabuisieren, um sie so dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen.

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