Schlauer als Haider?

„Die ´Nationalen´ haben Jörg Haider zwar in den Sattel gehoben, sie können ihn aber jetzt kaum mehr in die Zügel fallen…“ schrieb ich vor mehr als einem Jahrzehnt an einer Stelle des Buches „Jörg Haider – Patriot im Zwielicht?“ * Und eine Seite weiter meinte ich dann: „Heute scheint es so, als stünde Haider auf der letzten Sprosse der Erfolgsleiter…“.  Das Weitere ist bekannt.                                                                                                                    Steht den Freiheitlichen unter Strache ein Déjà-vu-Erlebnis ins Haus? In der Tat spricht einiges für diese Annahme, auch wenn jetzt einige „Nationale“, anders als unter Haider, gehörig mitzureden haben. Doch kann man sicher sein, daß nicht der eine oder andere bereits vom Karriere-Virus angesteckt wurde und sein Heil klammheimlich mit Strache in der  Anpassung, gar Unterwerfung  sucht?  Anzeichen gibt es.                                                 Ob dem letzten Endes doch nicht so ist und ob am vergangenen Parteitag alter Wein in neue Schläuche oder neuer  Wein in alte gegossen wurde, werden die meisten blauen Anhänger möglicherweise erst nach einer  nicht mehr  ganz auszuschließenden Regierungsbeteiligung endgültig wissen. Vorahnungen sind allen Blauäugigen dennoch erlaubt.                                                                                                                                 Unbestritten ist, daß Strache derzeit auf der Umfrage-Erfolgswelle (eine Art Blendwerk) schwimmt und auf  für viele kaum wahrnehmbare Weise ganz außerordentlich gefördert wird. Was macht er besser als der Jörg? Gut, dieser hielt angeblich nicht an der Klagemauer  inne, spielte aber mit Greenspan Tennis und holte sich einen Alibi-Juden in das blaue Boot. Hat ein, wie es FP-intern heißt, gewandelter Strache vielleicht den besseren Griff getan? Ist sein „guter Onkel“ kein  informeller Mitarbeiter eines bestimmten Geheimdienstes?                                                                                                    Fast scheint alles Paletti, Strache  („Östereich hat kaum ein Ausländerproblem“). Entscheidendes  kapiert und akzeptiert zu haben. Nach verschiedenen erfolgreichen Annäherungen und Absprachen jetzt sogar eine ganze Seite  im Gespräch mit dem Künstler Arik Brauer („Mein Vater ist ganz sicher vergast worden…“). In welchem Blatt? Im linksliberalen bisher allem Blauen abholden „Standard“ des Oscar Bronner. Noch dürfte der Inszenierung nicht Genüge getan sein, denn nicht enden wollend scheinen von gewisser  Seite die Erwartungen. Aber bis zu den Wahlen ist ja noch Zeit.                       Immerhin, da tut sich doch einiges hinter  den Kulissen, möchte man sagen. Ist „Schlaumeier Strache“  (O-Ton eines  FP-Spitzenfunktionärs)  vielleicht schlauer als Haider? Schlauer auch als seine international vernetzten Mentoren? Strache somit vor dem Zieleinlauf?  Aber welches Ziel? Das könnte unter Umständen schon egal sein, Hauptsache man erreicht es, wie blaue Spontis, so es sie gäbe, sagen würden.                    Am Ende könnte es aber für die blaue Basis so oder so doch wieder Überraschungen geben, denn auch für Strache wird  jenes Goethe-Wort gelten, das ich im Fall Haider in dem erwähnten Buch zitiert habe:“Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben“ (Faust 1/21 Mephisto). Und eine ganze Partei gleich  mit. Wohin? Das eben könnte in naher Zukunft eine der erwähnten Überraschungen sein.

*“Jörg Haider – Patriot im Zwielicht“ (Hg. Rolf-Josef Eibicht), Eine politische und kritische Analyse, Beiträge und Interviews mit prominenten in- und ausländischen nationalen Politikern, DS-Verlag, Stuttgart 1997,  452 Seiten

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8 Antworten zu Schlauer als Haider?

  1. Jaro Ruanza schreibt:

    Erstaunlich jedenfalls mit welcher Gelassenheit die Kameraden diese Entwicklung der Strache-FP hinnehmen.Jedenfalls gibt es auch nicht wenige,welche damit keine Freude haben! Abwarten und Tee trinken ist angesagt.

    • Karl Malden schreibt:

      Wer nicht richtig hören will, muß es ordentlich fühlen. Das gilt für den Einzelnen ebenso wie für eine Partei oder eine ganze Wählerschaft.

      • cornelia schreibt:

        Das blaue Burschi wird uns noch blaue Wunder servieren. Aber recht geschieht uns.

  2. Pingback: Schlauer als Haider? « Sache des Volkes

  3. anonym123 schreibt:

    Der Fall wird immer klarer. Der Umbau der Partei national-freiheitlichen Zuschnitts in eine „moderne“ rechtspopulistische Partei a la Geert Wilders, Lega Nord oder Vlaams Belang steht kurz vor Ihrem Abschluss. Eckpunkte sind nicht mehr die eigene Ethnie oder antijüdische bzw. antiisraelische Tendenzen sondern Staatspatriotismus mit antiislamischen Ressentiments und eine USA und Israelfreundliche Grundhaltung.

    Man kann dies als Paradigmenwechsel bejubeln oder verteufeln, in Wahrheit aber ist es ein nach demokratischer Gesetztmäßigkeit ablaufender Prozeß, den alle Parteien durchlaufen, die sich am demokratischen Spiel beteiligen. Auffallend dabei ist lediglich, dass rechte und linke Parteien diesem perpetuierten Wandel stärker unterliegen als christlich-konservative Parteien, deren Programmatik dauerhafter -vermutlich ob größerer Bluutleere – erscheint.

    Die Folgen eines solch radikalen Kurswandels liegen auf der Hand und sind vereinfacht gesagt folgende:
    Der neue Kurs bringt zunächst Zuwächse an Mandaten und zu vergebenden Ämtern. Die sich dadurch vergrößernde Dienstklasse, also jener Personenkreis, der das Bindeglied zwischen der Parteiführung und den Wählern darstellt, wird besser bedient, die Parteiführung wird im Gegenzug mit Loyalität bedankt. Die Wählerschaft bemerkt nach einiger Zeit, das mit ihrem Votum nichts zu verändern ist, die Dinge bleiben wie sie sind, diese Frustration führt zur Verweigerung der Gefolgschaft. GAME OVER!!! Mit Abnahme der Wahlerfolge und damit einhergehenden Beschneidungen der Privilegien der Dienstklasse kommt es zu einem Schwinden der Loyalität und zu einem Erosionsprozeß der Partei. Die Stärke der Partei pendelt sich auf niedrigem Niveau ein und der nächste Neustart, vorzugsweise mit neuem Personal kann beginnen.
    Das ist das Karussel der demokratischen Parteien und ihrer Eliten, die Akteure und Zielrichtungen werden von Zeit zu Zeit verändert, diese Veränderungen sind aber zyklisch, systemimmanent und vorhersehbar.

    Dass die Strache-FP nun diese Metamorphose durchlebt mag zwar ahistorisch wirken, man mag versucht sein, Verrat zu rufen, aber als Partei dieses Systems kann sie sich nicht dessen Gesetzmäßigkeiten entziehen. Wer das moniert, könnte auch einem Trüffelschwein seinen Drang vorwerfen, nach den edlen Pilzen zu graben.

    • Paul Fischer schreibt:

      Strache ist nicht bei 30 Prozent gelandet, weil er so toll ist, sondern weil es für konservative Wähler keine andere Alternative gibt und die Arbeiterschaft mit der Sozialdemokratie nichts mehr am Hut hat. Wie in den dreißiger Jahren ist National-Sozialismus die Antwort darauf. Heute bewirken nicht mehr die Juden eine Entfremdung der Wähler sondern die Gefahr des Islamismus. Die rapide Umvolkung in Österreich, Deutschland und Holland führt aber dazu dass das rechte Wählerpotential wieder schrumpft. Hinzu kommt, dass ein Erfolg der Arabischen Revolutionen, die Bedrohung durch den Islam wieder abschwächen könnte. Strache könnte nur jetzt an die Regierung kommen. Aber ohne Koalitionspartner wird es schwer werden.

  4. sozrev schreibt:

    Paul Fischer:

    Ich wusste gleich das du ein „Nazi“ bist. Nur das sich heutige „Nazis“ wie du im Schlepptau Washingtons und anderer imperialistischer Hauptmächte befinden.

    • anonym123 schreibt:

      @sozrev
      bitte ignorieren sie herrn fischer, es ist energieverschwendung auf seine elaborate einzugehen. ich glaube nicht das er ein „heutiger nazi“ oder fisch oder fleisch ist. ich meine, er ist bloß ein verbitterter saboteur, der uns mit seinen subtilen provokationen den tag verderben möchte. hat vielleicht jemand noch einen anderen erklärungsansatz parat? ratlosigkeit macht sich breit, fischer im trüben, sie sind eine gar unerklärliche erscheinung!

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