HC Kickl?

Als ich anläßlich einer Parteiveranstaltung das erste Mal Jörg Haider sprechen hörte, war  ich etwas verwundert über den mächtigen Applaus, den er erhielt, den großteils bestand die Rede nur aus niveaulosen Angriffen gegen Rot-Schwarz und vielen «Gags».Ich hatte mir inhaltlich mehr Tiefe erhofft.  Der Erfolg sprach allerdings vorerst für ihn. Relativ bald wurde mir aber bewußt, daß der Mann auch anders konnte, sein Horizont doch über Kronenzeitung-Niveau hinausreichte.

Nun war FPÖ-Parteitag in Graz, und auch da plätscherte von Obmannseite manches zwar unter großem Getöse, aber doch mehr oberflächlich dahin. Auch das erneute Bekenntnis zur deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft erschien an diesem Tag eher als Nebensächlichkeit, wenn auch einige diesbezüglich einen Befreiungsschlag inhaltlicher wie begrifflicher Natur erwartet hatten.

Die Frage «Wie ernst ist es ihm damit wirklich?»  steht deshalb weiter  im Raum und stellt sich verstärkt nach einem «Österreich»-Interview, in dem er der Frage, was ihm die deutsche Volksgemeinschaft denn bedeute, ausweichend auf den «rot-weiß-roten Österreichpatriotismus» verwies. Wie der spätere Haider.                                                                                                                                                                          Nun scheint es wohl zu stimmen, daß Straches Wortschatz und Auftreten wie die PR-Linie insgesamt auch einem ehemaligen Haider-Mann geschuldet wird. Und in der Tat erinnert mehr als genug an Haidersche Zeiten, seien es ähnlich lautende Schlagwörter, sei es der Kärntner-Anzug in Klagenfurt oder der Oberösterreicher- «Look» in Ried.                              Wie es so heißt, «the Show must go on». Aber hat das noch mit ernsthafter Politik zu tun? Ist wieder nur Stimmenmaximierung angesagt? Noch dazu ohne Visionen à la Jörg.                                                                                                                                                                                     Haiders Erfolg hatte unzweifelhaft mehrere Namen, einer davon heißt Kickl. Derselbe nun einen etwas einfacher gewickelten Strache als besseren Haider verkauft, dessen zwar verblassender Mythos dabei immer noch behilflich sein mag.                                                   Es sollte aber dabei nicht übersehen werden, daß – in einem größeren Zusammenhang gesehen – auch Haiders Scheitern mit dem erwähnten Namen verknüpft ist. Ob das ein gutes Omen ist?

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7 Antworten zu HC Kickl?

  1. Paul Fischer schreibt:

    Es hat keinen Sinn, Menschen, die man ein Stück Weges begleitet, vor der Öffentlichkeit zu konfrontieren. Aber Müllers Beobachtungen sind interessant. Strache wird mit und ohne Kickl bei der nächsten Wahl ziemlich viel Heu einfahren, weil es ein Gesetz der Schweigespirale gibt, dass, wenn sich die Intellektuellen von einem Zugpferd absetzen, die proletarische Masse ihre Verehrung noch ein paar Jahre eher verstärkt. Es gibt einen Time lag in der politischen Wahrnehmung zwischen Ober- und Unterschicht. Während also Kurier-, Standard- und Presseleser ihre Islamskepsis bereits ablegen, steigt die Sorge in der arbeitenden Bevölkerung noch an. Das wird genau bis zur nächsten Wahl halten. Dann könnte es einen Stimmungswechsel geben, falls sich die Arabische Revolution durchsetzt und den Islamismus zurückdreht. Weiters wird in 5 Jahren der Geburtenknick sehr stark zu bemerken sein und sich in einer Umvolkung manifestieren. Die Chance auf einen Bundeskanzler Strache ist da und nur jetzt. Aber der Block SPÖÖVP wird nur schwer zu knacken sein und Strache darf sich nicht falsch positionieren. Das bloße Heulen gegen den EU-Wind bringt keine neuen Stimmen. Weniger Attacken, weniger Gehetztheit, mehr Souveränität a´la De Gaulle könnte es bringen.

  2. Waltraut Kupf schreibt:

    Vor eiinigen Tagen habe ich in der Presse zu einem Artikel von Fleischhacker über Strache einen Kommentar deponiert, der auch hier paßt, nämlich:
    Strache hat im Gegensatz zu Haider den Bezug zur Realität behalten, d.h., er läßt neben sich Leute gelten, von denen er weiß, daß sie Kompetenz in bestimmten Bereichen haben, wo er sie nicht hat. Diese kompetenten und teilweise durchaus intellektuellen Leute wiederum wissen, daß Strache mit seiner hohen sozialen Intelligenz samt gutem Aussehen und einer gewissen Anziehungskraft auf das andere Geschlecht (die Haider ja weit weniger hatte) eine ideale Galionsfigur ist, von der man hofft, daß sie ein Kontrastprogramm durchaus transportieren kann. Die von des Gedankens Blässe angekränkelten Eliten möchten Strache zwar gerne zum Trottel stempeln, diese Rechnung wird aber wohl nicht aufgehen.

    • anonymus schreibt:

      @ waltraut kupf
      liebe waltraut, ich schätze ihre kommentare sehr, diesmal allerdings kann ich nicht zustimmen. die blaue elite ist intellektuell völlig ausgezehrt und verflacht, inhaber von spitzenpositionen wie die der herrn dörfler, vilimsky oder ddr. königshofer sind meine beweismittel. dieser und die von müller angesprochenen makel können leider auch nicht durch einen feschen und reschen parteiobmann kaschiert werden. die einzige kompensation dieser misere ist das faktum, dass es sich mit den anderen parteien ähnlich verhält. das wiederum ist ein abziehbild unserer gesellschaft, wir nähern uns dem zeitalter des sautrottels, der mittels hartz 4-Tv-Berieselung und dem „kauf dich glücklich-schmäh“ in einem gesellschaftlichen wachkomazustand gehalten wird. vereinfacht gesagt, ich teile müllers skepsis.

      • Waltraut Kupf schreibt:

        Lieber Anonymus, teilweise würde ich Ihnen beipflichten, vor allem hinsichtlich des Zeitalters des Sautrottels und der im Wachkoma befindlichen Gesellschaft. Unter den Intellektuellen in der FPÖ fällt mir z.B. Johannes Hübner ein, Fachkompetenz dürfte z.B. Themessl haben. Dörfler wird im Mölzer-Blog nicht ganz zu Unrecht dafür gelobt, daß er, so wie es aussieht, in Kärnten mit einigem Geschick (das ist wohl der sogenannte politische Instinkt) Ruhe geschaffen hat, Königshofer (der ja mit zwei Doktoraten und wahrscheinlich nicht abgeschriebenen Dissertationen kein völliger Trottel sein wird) führt einen deftigen Spruch (über diverse Schwuchteln etc.), es ist aber ein Labsal, wenn jemand sich nicht dieser politisch korrekten, wortklauberischen Zimperlichkeit befleißigt, usw. Was nützt der schönste Intellektuelle, wenn er nicht gewählt wird? Stimmenmaximierung muß sein, wenn die nötige Schwungmasse erforderlich ist, um die bisherigen untragbaren Zustände zu ändern. Übrigens muß ich anmerken, daß ich mit meinem auch in der Presse getätigten Kommentar (was ich auch korrekt angegeben habe) 16 positive Beurteilungen geerntet habe, was mich annehmen läßt, daß andere Leute doch auch meiner Meinung sind.

    • anonymus schreibt:

      @ waltraut kupf
      liebe waltraut, sie haben recht. mein pessimismus ist leider der andauernden politischen verwesung geschuldet, die uns umgibt. die hoffnung aber sollte man niemals schwinden lassen. liebe grüße

  3. Pingback: HC Kickl? « Sache des Volkes

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