Bilanz und Aussichten nach Bin Ladens Tod

Mit der zelebrierten Show bei Islamabad hat das Weiße Haus erst einmal etwas zur Festigung seines angeschlagenen  Rufs eines entschlossenen Akteurs  beigetragen. Gleichzeitg hat die US Army mit der Ermordung Bin Ladens signalisiert, daß man fähig sei, überall in der Welt zuzuschlagen.                                                                                                Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich durch den Tod des „Terrorpaten“ an der für die USA zunehmend schwieriger werdenden strategischen Lage  rein nichts geändert hat. Ja nicht einmal hinsichtlich des Kampfs gegen den Terror insgesamt. Für die dezentralisierte Al Kaida wird sich übrigens eine neue aktive Führerfigur finden, war doch Bin Laden seit langem nur mehr ein ideologischer Leithammel.

Ganz allgemein wurde die Rolle der Al Kaida aus verschiedenen Gründen ziemlich aufgebauscht. Vor allem in Afghanistan, wo die Taliban, mit eher losen Kontakten zu Bin Ladens Gruppe, Herr des Hauses sind.  Die Taliban mit ihren zehntausenden gut ausgebildeten Kämpfern haben außerdem den Regierungsapparat ebenso wie das afghanische Militär längst infiltriert.                                                                                         Während Al Kaida heute international operierende dezentrale Grüppchen sind, sind die Taliban eine rein nationale, afghanische Organisation, die den Großteil des militärischen Einsatzes auf Seite der Aufständischen trägt. Erst Ende April wurden durch sie, bzw. einen ihrer Sympathisanten, neun US-Offiziere ermordet.                                                               Der Tod Bin Ladens, den die Taliban gerade noch duldeten,  ist daher für das Geschehen in Afghanistan relativ belanglos. Am 1. Mai hatten die Taliban ja eine große Fühjahrsoffensive angekündigt. Der Krieg in Afghanistan ist für die westliche Allianz nicht mehr zu gewinnen. Ihr größter militärischer Erfolg war jetzt wohl die Tötung eines unbewaffneten Gegners.

Ebenso vernachlässigbar ist, vorerst zumindest, die Rolle Al Kaidas  in den Ländern des “Arabischen Frühlings”, ausgenommen vielleicht im Jemen (etwas mehr präsent)  und in Libyen (etwas weniger). In den meisten dieser Länder hatte Bin Laden keine große Anhängerschaft. Sein Tod könnte aber dennoch das antiamerikanische oder antiimperialistische Gefühl der arabischen Welt stärken , aber die  im Namen  des “Krieg gegen den Terror” zur Rechtfertigung militärischer Operationen geführte Propaganda der Amerikaner schwächen.                                                                                                               Aber auch im Irak wird sich durch Bin Ladens Abgang nichts ändern, auch dort sind es lokale oder nationale Widerstandsbewegungen, mit denen die Amerikaner bzw. die von ihnen eingesetzte Regierung weiter zu rechnen haben werden.

Insgesamt gesehen, zieht man noch Syrien, Libyen und den nicht arabischen Iran in Betracht, sieht es ganz nach einer Niederlage des Westens aus. Längerfristig gesehen natürlich. Daran könnten kurzfristige militärische Erfolge oder der eine oder andere politische “Deal” wohl nicht viel ändern. Neue politische Akzente in Ägypten oder die Annäherung in Palästina lassen da schon einiges erahnen.                                                     Wer weiß, vielleicht muß Washington eines Tages  noch die Al Kaida um Hilfe gegen plötzlich unbotmäßige, die US- Außenpolitik  unterlaufende “ nationalistische” islamische Regime bitten.

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4 Antworten zu Bilanz und Aussichten nach Bin Ladens Tod

  1. Gustav Strasser schreibt:

    Geschätzter Freund Müller!

    Eine, in aller gebotenen Kürze, nüchterne, nachvollziehbare Analyse.

    mfG.,
    Gustav Strasser

  2. Pingback: Bilanz und Aussichten nach Bin Ladens Tod « Sache des Volkes

  3. Petras schreibt:

    Zufällig heute auf diesen Blog gestoßen, konnnte aber noch nicht alles ansehen. Das Wenige aber ist beeindruckend. Wo liest man Solches schon?

  4. Bernie schreibt:

    Da kann ich nur sagen: Ami go home!

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