Hoch die Arbeit! Sagen die Sklaventreiber.

Wer kennt das nicht?  Man hätte eine dringende Arbeit zu erledigen, schiebt sie aber vor sich her. Schließlich überwindet man sich, und mit der Arbeit geht dabei  plötzlich die Lust an ihr einher. Am Ende, nach erledigtem Pensum, ist man regelrecht zufrieden, ja es stellt sich, vor allem  bei einer naturverbundenen Arbeit, sogar ein Glücksgefühl ein. Man könnte hier von einem höheren Sinn der Arbeit sprechen.  Wenn es auch für viele Arbeitsbereiche nicht in jedem Fall so zutreffen wird. Selbst wenn dieser in der freien Natur liegt. Zumindest ein Holzfäller, der sich  schindet und trotzdem sich und seine Familie  nur mühsam über die Runden bringt , wird es nicht unbedingt so glückstrahlend sehen können.

Nun ist es wahrscheinlich eher  so, daß heute in vielen, wenn nicht gar den meisten Fällen, von  ausgesprochener Zufriedenheit, gar Glücksgefühl bei der Arbeit nicht allzu oft gesprochen werden kann. Es ist zwar besonders das Proletarierdasein in unseren Breitengraden nicht mehr so schlimm wie in den Anfängen der  Industrialisierung, doch neue Gefahren und Nachteile sind dazugekommen, die in vielen Fällen eine Freude an der Arbeit oder dem Erarbeiteten vergällen. Der Mensch als Ganzes befindet sich ja in vielerlei Hinsicht schon wie auf einem Fließband, von dem er nicht mehr herunterkommt.  Da können auch  Freizeit und Urlaub, und selbst gutes Geld, das die Inflation wieder wegfrißt, nicht viel an spürbarer Unlust  ändern.

Und so stumpfen trotz heute zur Verfügung stehender, meist entbehrlicher Ablenkungsmittel unzählige Menschen, Arbeiter wie Angestellte, schon wieder merklich ab. So gilt zwar eigentlich, was Peter Rosegger im Falle der Maschinenarbeit und der damit verbundenen Entfremdung des Arbeiters von der Natur gesagt hat, auch heute noch: Um dem Arbeiter seine Unlust an der Arbeit zu nehmen, muß er fortgebildet werden. Doch erstens:  nur der Arbeiter? Und  zweitens: ist mit etwas mehr Bildung damit schon Genüge getan?  Strebt der Unselbständige nicht auch nach Weiterem?

Da mag es Adam Smith noch so gut gemeint haben, wir sind längst dort wo Karl Marx eingehackt hatte, als er meinte, „die Verschlingung aller Völker in das Netz des Weltmarkts und damit der internationale Charakter des kapitalistischen Regime“ stehe uns bevor.  Tatsächlich ist es das grenzenlose Kapital, das stetig nach Vermehrung strebt,  das  (nicht nur!) die ökonomische Globalisierung mit ihrem selektiven Vernichtungswillen vorantreibt. Daß jene wenigen, in deren Händen sich dieses Kapital ansammelt, das Sagen haben, ist nicht zu übersehen. Sie sind es vor allem, die von dieser Globalisierung profitieren und dazu beitragen, das Gefälle zwischen Reich und Arm zu vergrößern.

So wird nicht nur der einfache Arbeiter oder Angestellte einer Bank durch Rationalisierung verdrängt, auch kleine und mittlere Betriebe müssen der Gewinnmaximierung weichen. Was früher in die Taschen feudaler Fabriksherrn  floß,  geht heute, mit freundlicher Unterstützung der Politik, in jene der Groß-Aktionäre und Manager von Konzernen und Finanzinstituten. Daß einmal die Masse der Werktätigen in Not und Elend hauste, könnte angesichts der wirtschaftlichen und währungspolitischen Entwicklung in ähnlicher Form für viele von uns bald wieder Wirklichkeit werden. Sind wir dem gegenüber machtlos?

Der Schlüssel liegt ohne Zweifel  im Politischen. Solange aber Staat, also eigentlich die Politik,  und Großkapital verschmolzen sind, wird da nichts grundlegend Anderes geschehen. Wie im „realen Sozialismus“ haben wir eigentlich ein  (wenn auch aus mehreren Parteien bestehendes) Einparteiensystem, da  in wirtschaftlichen Fragen so ziemlich alle etablierten Parteien  demselben Höchsten zuarbeiten, dem Kapital. Zieht man dabei auch die politische Zentrale Brüssel in Betracht, so kommt einem, nicht nur der Kommissare wegen, die zentralgelenkte Planung der Kommunisten, und das nicht nur im ökonomischen, in den Sinn.

Wie einst in der verblichenen Sowjetunion werden  ja heute vielfach schon Produktionsvorgaben und Normen wie auch Verbrauchsanleitungen  von einer Zentrale, in diesem Fall von der EU-Kommission, vorgegeben.  Daß noch nicht nach einem einheitlichen „Fünfjahresplan“ vorgegangen wird, liegt eher am Widerstand einzelner nationaler Parteien und Politiker. Deren Aufbegehren scheint aber endenwollend, auch wenn „Wahre Finnen“ oder Isländer  aufmucken. Aber immerhin, es ist Sand im EU-Getriebe, aber vorerst weit und breit kein staatliches Austrittsbegehren und auch noch kein ausgegorenes gesellschaftspolitisches Modell, das eine bereits umsetzbare Alternative zum jetzigen System wäre und in einem Staat schon eine Mehrheit fände.

Eine Alternative jedenfalls wird nur dann als eine echte angesehen werden können, wenn den an der Werkbank oder im Büro Schaffenden die Möglichkeit der  Beteiligung und auch Selbstbestimmung, zum  Beispiel: genossenschaftliche Selbstverwaltung, ermöglicht wird.  Eine gerechte Teilhabe an den wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und sozialen Werten ist in dem jetzigen System nicht möglich, davor haben die ganz oben Angst. Eine solche Selbstbestimmung, vor allem im kleinen und mittleren Bereich gilt es anzustreben, was nur  in einem souveränen Staat  denkbar ist, der in dem Konzept dieser EU aber keinen Platz hat.

Die Devise lautet daher: Raus aus einem System, in dem Schulden der „geniale Ersatz für Kette und Peitsche des Sklaventreibers“  sind. Der Mensch will glücklich sein, aber nicht als Sklave, der an jedem 1. Mai die auf ihren Ehrentribünen angetretenen politischen Vertreter des internationalen Kapitals huldigen darf, die gleichzeitig durch die EU-Hintertür auch Massen von Lohndrückern  einschleusen.

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5 Antworten zu Hoch die Arbeit! Sagen die Sklaventreiber.

  1. anonymus schreibt:

    Ein sehr guter Artikel mit hervorragenden Fragestellungen, bloß der Lösungsansatz ist etwas ausgedünnt. Vermutlich bedarf es eines völig neuen Wirtschafts- bzw. Gesellschaftssystems, in welchem das Kapital den Arbeitenden dient und nicht umgekehrt. Aber bereits Denkanstöße in diese Richtung verstoßen ja gegen die political correctness, denn – ebenso wie ein Warnen vor zu hohem Ausländerzuzug mit der Faschismuskeule plattgemacht wird, so wird ein Fordern nach einer sozialeren ökonomischen Ordnung mit dem Kommunismusprügel planiert. So als ob es Bemühungen um eine gerechtere Verteilung erst seit Marx, Lenin und Honecker gegeben hätte.

  2. Gustav Strasser schreibt:

    Sehr lang, lieber Herr Müller, viel zu lang. Aber inhaltlich hervorragend. Gratulation!

  3. Peschka Wilhelm schreibt:

    Allein daß es bei uns Leiharbeiter gibt,zeigt doch daß etwas an diesem System faul ist.Wenn dies das Ergebnis einer hundertjährigen Arbeiterbewegung ist,dann ist diese eben gescheitert! So manche Sozialisten der Vergangenheit haben sich dies sicherlich anders vorgestellt.

  4. Pingback: Hoch die Arbeit! Sagen die Sklaventreiber. « Sache des Volkes

  5. hagen schreibt:

    Die Kommentare kann man nicht besser ausdrücken.
    Aber wir sollten dabei nicht vergessen, daß die „Jungen Grünen“ mal eben der Kommunistischen Ideologie breiteren Raum einräumen möchten, wie es heißt.
    Haben wir also die Ketten, die Karl Marx noch als „das Einzige, was der Arbeiter zu verlieren habe“, doch noch nicht verloren? Mitnichten. Nur – die Methoden sind subtiler.

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