Neokoloniale Intervention

Um die kriegerischen Auseinandersetzungen (angezettelte Bürgerkriege)  in Libyen oder der Elfenbeinküste zu verstehen, bedarf es  – wie bei  allen anderen politischen und ökonomischen Angelegenheiten  von globaler Bedeutung – eines klaren, von den Medien noch nicht eingenommenen Kopfes.  Tatsächlich wird ja von diesen und der  Werbung ein ständiger psychologischer Krieg geführt, um die Oberhoheit über  das Denken  jedes einzelnen Bürgers  zu erreichen. Was aber immer weniger zu gelingen scheint, da die Absichten der dahinter stehenden Kräfte immer mehr Mitmenschen  bewußt werden. Und das nicht nur in Europa.

Erst noch einmal zu Libyen: Von der Unabhängigkeit, 1951, bis zur Machtübernahme durch Ghadaffi, 1969, dominierte in Libyen eine Koalition von Stämmen aus dem Osten des Landes, danach war es umgekehrt. Mit der Gründung eines US-Oberkommandos  für Afrika (Africom*) und dem Emporkommen Chinas und dessen eigenen Afrika-Interessen kam in der Region, besonders im Erdölland Libyen, von außen  ein neuer Mitspieler hinzu: die Vereinigten Staaten.  Aus politischen und finanziellen Gründen bedient man sich dazu europäischer Vasallen, deren Geheimdienste maßgeblich den als Demonstrationen bezeichneten bewaffneten Aufruhr gegen Ghadaffi  organisierten.

Dieser Aufstand rechtfertigte bekanntlich eine UNO-Resolution, die zwar nur für ein Flugverbot galt, aber auf Grund mutmaßlicher Desinformationen (z. B. angebliche Streubomben) für eine Intervention von Bodentruppen herhalten könnte. Immerhin hatte Paris verdächtig schnell den bunten Haufen Aufständischer in Bengasi anerkannt. Das ist so, als würde der Süden Italiens sich gegen den Norden des Landes erheben und Paris würde eine in Neapel zusammengetrommelte „italienische“ Regierung als einzig rechtmäßige anerkennen.

Die US-Interessen in Afrika sind Langzeitinteressen wie jene Chinas auch, und da findet eben auf dem Rücken der afrikanischen Völker ein kalter Krieg wirtschaftlicher und geostrategischer  Überlegungen wegen statt.  Daß Ghadaffi, der Währung und Öl nicht Konzerninteressen ausliefern, unabhängig bleiben und  in diesem Spiel nicht auf Seiten des Westens mitmachen wollte, war sein Verhängnis. Es ist übrigens bemerkenswert, daß Chinas wirtschaftliche Projekte in der Region (allein 50 Großprojekte in Libyen!) seit Ausbruch der Unruhen in  Nordafrika massive Einbussen erlitten haben.

Und nun kurz zur Elfenbeinküste: Auch dort wurden zwei Hälften des Landes, Norden und Süden, gegeneinander ausgespielt.  Frankreich, mit massiven wirtschaftlichen Interessen im Lande,  hatte sich (in der Person Sarkozy, der verlorenes Ansehen gut machen möchte) sehr schnell auf die Seite des  Gewinners der umstrittenen Wahl, Ouattara,  gestellt und ihn zuletzt militärisch unterstützt.                                                                                                Verstärkt dann, als Sarkozys Kandidat und seine bunte Truppe Gefahr lief,  den Kampf gegen den noch nicht zurückgetretenen Amtsinhaber, Präsident  Gbagbo,  zu verlieren. Als dann dieser auf französische Soldaten schießen ließ, nachdem aus französischen Hubschraubern sein Bunker beschossen wurde, gingen französische Truppen massiv vor, erzwangen den Zugang zum Präsidentenpalast und ließen den Hausherrn von Ouattaras Soldateska verhaften.

Stellen wir vorerst einmal fest: In beiden Länden, Libyen und Elfenbeinküste, ist eine Teilung des jeweiligen Landes abzusehen, womit weitere Konflikte in Zukunft vorprogrammiert sind. Die neokoloniale Intervention wird in ganz Afrika keine Zustimmung bekommen, dafür einen bitteren Nachgeschmack behalten.                               Im Ringen um Rohstoffe und Einfluß  hat der Westen unter Führung der USA daher nur eine Schlacht gewonnen, längerfristig könnte China die Nase wieder vorne haben. Peking schaut vorerst gelassen dem stümperhaften Auftreten des Westens  aus der zweiten Reihe zu.

  • Ghadaffi soll anläßlich der Gründung des Africom als einziger eine unter Federführung der USA ausgearbeitete  Afrika-Charta nicht unterschrieben haben.
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5 Antworten zu Neokoloniale Intervention

  1. Paul Fischer schreibt:

    Die Intervention in Libyen dient der Freiheit der Libyer. Was soll das heißen „neokolonial?“ Es gibt keine Kolonien mehr und niemand wird es schaffen, neue zu errichten. Sie entsprechen auch nicht den Erfordernissen der Zeit. Rohstoffe kann man kaufen, dazu muss man kein Land erobern. Aber es ist eine Schande, dass die UN, die als Reaktion auf Hitler gegründet wurde, nie imstande war, einem Diktator Einhalt zu gebieten. Bush war der Erste, dem das gelang und vielleicht sind Sarkozy und Obama die Zweiten.

    • Fritz schreibt:

      Freiheit der Libyer? Ein Witz! Entweder hast Du nichts verstanden oder bist ein zionistischer Agent. Das ist ja nicht zum aushalten soviel Schwachsinn. Bitte studiere die Geschichte und akzeptiere die Realität.

      • Cornelia schreibt:

        Sei nicht garstig Fritz, in Gottes großen Tiergarten ist Platz für jederman. Es wurde noch jeder früher oder später durch die Geschichte bzw. Fakten belehrt. So ganz dumm ist nämlich dieser Paul Fischer auch wieder nicht, also besteht Hoffnung auf Einsicht.

  2. Pingback: Neokoloniale Intervention « Sache des Volkes

  3. anonymus schreibt:

    Nein Cornelia, ich muss Dir ausnahmsweise widersprechen! Ich kann den fritzschen Wutausbruch verstehen! 🙂

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