Im Jahr Drei nach Haider

Als einer der ersten Kritiker Haiders aus deutsch-nationalem Hause habe ich sein zweifellos großes politisches Talent und seine Intelligenz nie bestritten. Daß er bedauerlicherweise niveaulos und sehr opportunistisch, auch taktlos sein konnte, steht auf einem anderen Blatt. Tatsache aber ist auch, daß seit seinem spektakulären Abgang in Österreichs politischer Landschaft ein  intellektueller Kahlschlag erfolgt zu sein scheint.                                                                                                                                              Ob Haider es angesichts mächtiger  in- und ausländischer Gegner noch einmal an die Spitze geschafft hätte, bleibt der Spekulation überlassen. Gewiß scheint nur, daß keiner der heutigen Spitzenpolitiker in der Lage sein dürfte,  Haiders politischem Können und Veränderungswillen annähernd zu entsprechen.

Ich erinnere: In einem Gespräch mit dem Top-Journalisten Alfred Worm hatte der zu diesem Zeitpunkt von seiner FPÖ enttäuschte Haider einige Grundfragen deutlich angesprochen. Politische Erneuerung etwa: Nur als Alleinregierung mit verfassungsändernder Mehrheit, ohne ÖVP und SPÖ. Das schien ihm aber im Hinblick auf den „Moloch“ Brüssel mehr und mehr unrealistisch.                                                                   Der Einzelne sei in diesem System „völlig machtlos“, so Haider. Die Lösung sah er in einer Entmachtung des EU-Funktionärsstaates. Noch schien der Nationalstaat für ihn nicht verloren. Dafür brauchte es aber auch eine allgemeine Bewußtseinsänderung bei den Bürgern. Soweit ein eher desillusionierter Haider, dem, bei aller nötigen Distanz, in vielen der von ihm vertretenen Grundanliegen zugestimmt werden mußte.

Haiders Unvollendete wird eine solche bleiben, und ohne Zweifel dürfte er es selbst schon bedeutend früher geahnt  haben. Für spätberufene Surfer des Zeitgeistes läßt sich zwar auf dieser Haider-Welle noch eine Weile gleiten, doch  alles, was heute groß und laut vor Wahlen tönt, ist vielfach Blendwerk. Vor allem bloß müder Abklatsch visionärer Politik wie sie der „Eisbrecher“ einst verstanden hat.                                                                                      Da wird sich auch mit einem neuen ÖVP-Obmann wenig daran ändern. Wo dessen Präferenzen, neben Tennis und Wiener Schnitzel, sonst noch angesiedelt sind, widerspricht eigentlich dem Bild der grauen Maus, als die er gehandelt wird. Im Gegenteil, ganz schön bunt ist der brave Kirchgänger. Er ist nach eigenen Angaben „multitaskingfähig“ (!)  und wünscht sich laut „ „Presse“ weitere 100.000 Einwanderer  bis 2030.

Wir sehen schon, auch in Österreich läuft alles weiter nach Plan, den die Politiker nicht entworfen, haben, aber ausführen dürfen. Da würde sich grundsätzlich auch nichts ändern, selbst wenn eine mit Leihstimmen gestärkte FPÖ den Kanzler stellte. Man schlage nach bei Haider, und man ahnt schon warum. Wie auch? – wo doch  schon ein Ausnahmetalent wie dieser  an den von außen vorgegebenen Rahmenbedingungen scheitern mußte.               Wer nun glaubt, schlauer zu sein als Haider, es besser machen zu können, der vermag zwar Hoffnungen zu wecken, die wie die vielbemühten Seifenblasen aber wieder platzen werden.                                                                                                                                          Haiders Manko war wohl auch, daß er bloß Reformer sein wollte. Die kritische Zeit, in der wir leben, erfordert aber anders. Doch revolutionär und selbstlos sind jene Spitzenpolitiker, die bei der nächsten Nationalratswahl  antreten werden,  ganz bestimmt auch nicht.

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7 Antworten zu Im Jahr Drei nach Haider

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    Haiders Problem war das einer gewissen Zerrisenheit; er war für und gegen alles gleichzeitig, angefangen von der EU bis zu allen Sub-Themen, die durch diese maßgeblich beeinflußt werden. Die Kardinalfrage ist: kann man die supranationalen Rahmenbedingungen ändern? Wenn ja, wie? So bezeichnete Reformen sind Flickwerk. Ein reformierter Saftladen bleibt ein Saftladen.

  2. Pingback: Im Jahr Drei nach Haider « Sache des Volkes

  3. Peschka Wilhelm schreibt:

    Dem zweifellos politischen Talent Haider braucht man wahrlich nicht nachzuweinen.
    Schlimm ist es allerdings,daß weit und breit kein Politiker in Österreich auszumachen ist,welcher für den Austritt aus der EU eintreten will.Wie denn auch,seine Tage als Politiker wären gezählt!Und so treiben wir weiterhin einer unsicheren Zukunft entgegen.

  4. sozrev schreibt:

    Helmut Müller:

    Hervorragender Beitrag! Jörg Haider war dem Herrn Strache sicherlich intelektuell weit überlegen. Strache kommt wirklich wie eine sehr schlechte Karikatur des Herrn Haider daher, allerdings ohne eigene Ideen und Visionen – die hatte der Jörg ja immer, was man ihm trotz aller Kritik zugestehen sollte. Was Haider betrifft, so sollte kein Nationaler sagen können, er sei nicht vorgewarnt worden. In dem Sammelband „Jörg Haider- Patriot im Zwielicht“ wurde ja bereits im Jahr 1996 eindringlich vor der Person Haider gewarnt.

    • Fritz schreibt:

      Und schon wieder rennen sie wie die Lemminge hinter einem Führer, dieses Mal einer blauen Light-Version, her. Hauptsache er hat ein großes Mundwerk. Das genügt.
      Daß auch vom schwarzen Spindelegger nichts Gutes zu erwarten ist, sollte niemand verwundern. Er ist nicht nur ein Multikulti-Fan, sondern auch ein Gleichheitsfanatiker. So sollen, seiner Meinung nach, Heteros beim Standesamt nicht Homos vorgezogen werden.

  5. Schwab schreibt:

    Nach wie vor lesenswert, das von Helmut Müller mitherausgegebene Buch über Jörg Haider:

    http://www.goodreads.com/book/show/5973790-j-rg-haider-patriot-im-zwielicht

  6. Cornelia schreibt:

    Jetzt hat auch Spindelegger sein Bubi, und was aus Haiders Bubis wurde, wissen wir ja. Was soll´s, ist doch egal, wer was macht. Hauptsache man kassiert flott. Das Bubi immerhin fast 15.000 Euro. Hurra!

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