Dampfplaudernde Reiter auf trojanischem Roß

Solange wir zurückdenken können, und seit es Aufzeichnungen gibt, hat sich immer wieder die Frage nach dem gerechten Herrscher oder dem besten Regierungssystem gestellt. Platon erdachte sich den Philosophen als Herrscher oder daß ein solcher zum Philosophen werde. In Marc Aurel verkörperte sich einige Generationen später dieses platonische Ideal. Soziale Verantwortung und ebensolche des Regierungsamtes werden ihm zugeschrieben. Sein Ethos schlägt sich in seinen Selbstbetrachtungen nieder.

Daraus lernen wir: Wenn Macht nicht sittlich gebändigt wird, artet sie aus, und das ist in der Geschichte eines Volkes zu oft geschehen. Und so ragen, trotz dunkler Stunden, Fürsten und Politiker, die dieser Aufgabe einigermaßen gerecht wurden, aus der großen Masse von Verführern und Tyrannen heraus. Auch weil bei ihnen Handlungen und persönlicher Lebensstil meist mit ihren Worten übereinstimmten und sie der Überzeugung waren, daß ihr Volk unbegrenzte Möglichkeiten besäße, sich auf ein höheres geistiges und kulturelles Niveau erheben zu können.

Dampfplauderer wie wir sie heute an der Spitze von Parteien und Staat  kennen, waren diese Herrscher  alle nicht. Sie waren sich, wie Friedrich der Große, des einen bewußt: Die Gerechtigkeit muß das Hauptaugenmerk eines Fürsten sein; er muß für die Wohlfahrt eines Volkes sorgen und dies jeder anderen Rücksicht voranstellen. Wahrheitsliebe und unbarmherzige Selbstkritik sollen diesen großen Preußen ausgezeichnet haben. Tugenden, die zu allen Zeiten geschätzt wurden.

Welche Spitzenpolitiker werden heute diesen Eigenschaften, diesem Menschenbild gerecht? Ähneln sie nicht eher den berühmten drei Affen, nichts sehen, nichts hören, zu Lebensfragen der Nation schweigen oder es bei Lippenbekenntnissen belassen. Und leben sie nicht in Saus und Braus, weit entfernt von den Nöten des Volkes und über aller Tagesunsicherheit?  Nicht nur die Etablierten, auch alternative Aufsteiger wissen längst dem Ruf „Bereichere sich wer kann, aber dient euren Herren“ zu folgen. Das „Abzocken“ kann oft gar nicht schnell genug gehen. Erst recht danach.

Man braucht dazu als gelernter Mitteleuropäer gar nicht das ehemalige Schoßhündchen einer ehemaligen US-Außenministerin oder Putins deutschen Kumpel bemühen. Karriere macht heute sehr bald einer, der gestern noch in Turnschuhen herumlief oder am Kanzlertor rüttelte. Das System belohnt jeden, der mitspielt. Auch  selbsternannte Patrioten oder Nationale, sobald  sie sich als Reiter auf trojanischem Roß eignen und bewähren.

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3 Antworten zu Dampfplaudernde Reiter auf trojanischem Roß

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  2. Karl Malden schreibt:

    Die heutige Politiker-Elite kann einen doch gestohlen bleiben. Hoffentlich bekommen sie einmal eine entsprechende Abfuhr. Betrug und Verrat gehört zu ihrem täglichen Brot.

    • Plautus schreibt:

      Ich bin schon immer sauer wenn Politiker uns vor neuen Wahlen das als ihr Zukunftsprogramm verkaufen, was sie während ihrer Regierungszeit nicht angreifen wollten. Wenn ein Manager in der Industrie sagt „ich will das und das machen oder erreichen“, dann wird ihm ein Termin gesetzt. Kann er den nicht halten, fliegt er.
      Das einzige, was Politiker immer erreichen, ist die Erhöhung ihrer Gehälter und unserer Steuern.

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