Was einen in Dresden so einfällt

Dresden. Für wenige Stunden unterbreche ich meine Fahrt nach Wien. Ich verlasse den Hauptbahnhof und gehe die Prager Straße hinunter Richtung Zentrum. Links und rechts wenig ansprechende Betonklötze aus der DDR-Zeit, dann etwas anspruchsvoller, doch nach wie vor seelenlos, neuzeitliche Geschäfts- und Bürohäuser. Dazwischen ein ehemaliger Bombentrichter, der noch seiner künftigen Bestimmung harrt.                                           Schließlich das erste Wahrzeichen aus vergangenen Tagen: Der Turm der Kreuzkirche (wo ich eine Kerze für die Bombenterror-Opfer anzünde) ragt wie ein mahnender Finger inmitten Nachkriegs-Architektur gegen jenen Himmel, der damals die Hölle war.                 Dann, nach und nach, die Frauenkirche, das Schloß, die Semperoper, der Zwinger und, auf der anderen Seite der Elbe, jene grünen Wiesen, die flüchtenden Zivilisten, darunter Alte, Frauen und Kinder, zum tödlichen Verhängnis wurden. Wie Hasen wurden sie von Bordschützen tieffliegender US-Jagdflugzeuge niedergemetzelt.                                           Voll Wehmut und herber Schmerzlichkeit gehe ich zurück zum Bahnhof. Aber auch mit einer Portion Zorn, wenn ich daran denke, wie deutsche Politik und Medien mit der Opfergeschichte dieser Stadt, deren hingemordeten Menschen, würdelos, die Wahrheit verzerrend und verniedlichend  umgehen. Anders halt als es sich für dem Vaterland treue und ihrem Volk dienende Politiker geziemen würde. Habe ich etwa zuviel gesagt?

Ich setze nach: Ballern nicht seither die gleichen Schützen wie verrückt in der Gegend herum, laden schwere Schuld auf sich, denn wieder sind Zivilisten unter den Opfern. Von Vietnam über Afghanistan und den Irak bis nach Libyen zieht sich deren Nachkriegs-Blutspur. Und bald weiter? Dabei wird Al Kaida immer stärker, aber den neuen Kreuzrittern anscheinend noch nicht stark genug.                                                                      Große Siege feiert man, der gallische Gockel gar den heldenhaften Abschuß eines kleinen Schulflugzeuges. Präsidentenkumpel Levy, Staatsphilosoph und Hobbystratege, möchte den ganzen arabischen Raum demokratisiert sehen. Obama auch. Aber welche Demokratie?  Wovon träumen die Herren eigentlich, kennen sie die Mentalitäten in diesen Ländern denn nicht? Na ja, als Deckmäntelchen für USsraelische globale Strategien taugt so ein arabisch verkleidetes westliches Demokratiechen vielleicht doch.                                  Wie gut, daß es die „einzig wahre Demokratie“ im Nahen Osten, das Land der Vorväter Herrn Levys, als kontrollierende Friedensmacht gibt. Ihr wollen wir doch nachsehen, daß sie weiterhin Nichtjuden gesellschaftlich und sozial benachteiligt, Palästinenser unterjocht, und ihre Armee aus Gründen der „Selbstverteidigung“ schon mal auch Frauen und Kinder über den Haufen knallt.

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2 Antworten zu Was einen in Dresden so einfällt

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    Ich kann dem Inhalt dieses Kommentars nur vollinhaltlich beipflichten. Schlimmer noch als die heuchlerischen Verbrechen der derzeitigen Alliierten ist zumindest für das subjektive Empfinden die kriecherische Selbstannullierung der deutschen Politiker. Harris bekommt ein Denkmal in England, Obama bekommt den Friedensnobelpreis, in Deutschland darf man der Opfer nicht einmal gedenken, ohne sofort mit der Nazikeule niedergemacht zu werden. Die einen Toten sind selbst schuld (denn sie lebten ja unter Hitler) und sind auf Wunsch Churchills „gegrillt“ worden, die anderen Toten sind „Kollateralschäden“. Keines der Opfer hat mit den Untaten der eigentlich Schuldigen etwas zu tun.

    • Boris schreibt:

      Die Deutschen können einen leid tun. Und die Weltöffentlichkeit auch, wenn man merkt, wie man bezüglich Libyen usw. an der Nase herumgeführt wird. Nirgendwo geht es wirklich um Dekmokratie, weder bei den einen, die wissen, was das ist, noch bei den anderen, die nur ungefähre Vorstellung davon haben, und sie ja in Wirklichkeit auch nicht leben würden.

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