Wie kaum ein anderes Volk

Ich sitze in meinem Hotelzimmer und verfolge die Berichte zur Lage im Nordosten Japans.  Es ist unfaßbar, was die Menschen dort zu erdulden haben: Kein Wasser, kein Strom, keine Heizung, ausbleibende Hilfslieferungen u.a.m. Bewundernswert ihre tapferes Verhalten: keine Klagen trotz Schnee und Kälte.                                                                          Wie auf kaum ein anderes Volk trifft der Ausspruch eines Franzosen, de Lafontaine, besser zu als auf das japanische: „Geduld und Zähigkeit helfen an schlimmen Tagen mehr als Kraft und Raserei“. Oder jener Wilhelm von Humboldts: „Es ist ungalublich, wieviel Kraft die Seele dem Körper zu verleihen vermag“.                                                                                     Es ist wohl kein Zufall, daß jenes europäische Volk, das dem japanischen in Sachen Ausdauer und Erdulden, Fleiß und Disziplin am nächsten kommt, das deutsche nämlich, in Massen gegen die Atomkraftwerke auf die Straße geht. Friedlich wohlgemerkt, und geordnet! Es sind meist junge Menschen, deren Seelenempfinden noch nicht von den nachhaltigen Folgen des materiellen Strebens erfasst wurden. Idealisten gewiß, Romantiker vielleicht, aber dafür noch nicht abgebrüht. Das sollte man anerkennen, ob sie nun mit ihrem Engagement richtig liegen oder übertreiben, an ihrer Aufrichtigkeit braucht nicht gezweifelt zu werden, auch wenn politische Spinner und Harsadeure dies zu ihrem Profit zu nutzen wissen.

Die weitere Entwicklung in Fukushima hat, ich muß gestehen, meine Skepsis gegenüber der Atomkraft eher verstärkt. Und solange sich kein Versicherungskonzern bereit findet eine Haftung zu übernehmen, kein absolut sicheres Endlager für atomaren Müll zur Verfügung steht und die friedliche Nutzung der Atomenergie mit der militärischen verknüpft ist, sehe ich wenig Anlaß meine Befürchtungen zurückzunehmen. Ist es denn ethisch wie moralisch noch vertretbar, die Schöpfung insgesamt einem so hohen Risiko auszusetzen? Nicht nur Denker der Neuzeit, auch die überwiegende Mehrheit der antiken Philosophen würde, so glaube ich, diese Frage mit einem entschiedenen Nein! beantworten.                                                                                                                                   Ein Ausstieg aus dem atomaren Prestigerennen wird von vielen Experten, die gleichzeitig alternative Methoden der Energiegewinnung aufzeigen,  für möglich gehalten.  Nicht sofort, aber in absehbarer Zeit. Davon bin auch ich überzeugt. Intelligente Völker wie das japanische und das deutsche werden dazu einen Ausweg finden. Unsere Nachfahren werden es uns zu danken wissen, indem sie uns einen Ehrenplatz in der Geschichte einräumen werden.

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3 Antworten zu Wie kaum ein anderes Volk

  1. zwara schreibt:

    Vielen Dank. Was könnte man anderes, als dem zu 100% zustimmen? Vor allem die ungelöste Frage der Endlagerung ist eine Hypothek für viele nachfolgende Generationen. Ihr Hinweis, dass der Ausstieg nicht sofort erfolgen kann, hebt Sie von ab.
    Eine Alternative (auch neue) kann sicher gefunden werden. Schließlich leben wir in der Zukunft.

  2. Cornelia schreibt:

    Nix wie raus aus der Atomschaukel. Lassen wir uns nicht weiter verschaukeln. Nicht von dieser gierigen Atomlobby, noch von den unaufrichtigen und ebenso gierigen Politikern.

  3. Pingback: Wie kaum ein anderes Volk « Sache des Volkes

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