Hinter den Kulissen

In einem Beitrag von Charles J. Hanley (Associated Press) geht dieser auf die langjährigen Bemühungen US-amerikanischer und einiger europäischer privater wie auch Regierungsstellen ein, abseits der Zusammenarbeit mit verschiedenen autoritär geführten Regierungen eine junge Intelligenz in den jeweiligen Ländern, unter anderem eben auch in der arabischen Welt, in Sachen westlichem Demokratieverständnis und demokratischer Machtausübung zu unterrichten, um die alten eher nationalistisch eingestellten Politiker in deren Staaten zu ersetzen. So sollen seit 2005 mehr als 10.000 Ägypter an von Amerika finanzierten Ausbildungsprogrammen im In- und im Ausland  teilgenommen haben.              Einer dieser jungen Männer, Bilal Diab, unterbrach z. B.  seinen Kurs in einer  „young leader school“ um seine bereits gewonnen Erkenntnisse den Demonstranten am Tahrir Platz in Kairo weiterzugeben. „ Auf dieser amerikanischen Schule“, so Diab,  „hatten wir gelernt, wie man sich organisiert, und sogleich hatten wir die Union der Revolutionären Jugend“ gegründet.                                                                                                                        Ein  anderer, Bassem Samir, wurde mit Unterstützung des „Freedom House“ ein Aufenthalt in Washington, in Ungarn und Dubai ermöglicht, um andere politische Organisationen kennenzulernen sowie den Umgang mit Medien (v.a. auch Facebook und Twitter), die Durchführung von Protestkundgebungen u. ä. zu erlernen. Sogar ein Besuch bei Google war eingeplant.                                                                                                           Marwan Younes, ein weiterer Ägypter, der selbst so eine Ausbildung genoß, dann aber zu Mubaraks Partei überwechselte, sagt jetzt, der Großteil der führenden „Revolutionäre“ sei vorher von NDI (National Democratic Institut), IRI (International Republican Institute) und Freedom House zu dem gemacht worden, was sie jetzt sind. Ähnliche Erfahrungen durften Aktivisten aus Marokko, Tunesien, Jordanien und anderen arabischen Ländern sammeln. Wohl auch nicht wenige aus der Ukraine oder Georgien vorher.                             Nun mag schon sein, daß, wie einer der jungen „Revolutionäre“ meint, die Aufstände von ihnen selbst organisiert worden seien. Aber ohne massive US-Hilfe (auch logistischer und geheimdienstlicher Art) würden sie wohl nach wie vor ein unbekanntes Dasein fristen. Daß Washington und andere Kreise im Westen auch Gegenleistungen erwarten, ist ihnen hoffentlich bewußt, sonst könnte ihnen ein kurzes politisches Leben beschieden sein.

Möglicherweise verliefen die Bemühungen Washingtons in Libyen wie auch der  dortigen Ansprechpartner nicht ganz so erwartungsgemäß, so daß deshalb  ein Militärschlag in Erwägung gezogen werden mußte. Was dabei noch herausschauen wird, ist vorerst nicht abzusehen. Nichts Gutes fürchte  ich.                                                                                            Um das Bild von Libyen bzw. Gaddafi zu vervollständigen, abschließend noch einige aufschlußreiche Aussagen von Friedenforscher Alfred Mechtersheimer gegenüber der Nationalzeitung am 14. März 2011:                                                                                            „Muammar al-Gaddafi hatte 1969 als junger Offizier Libyen aus einem erbärmlichen Zustand befreit. Das Elend des Landes war von der italienischen Kolonialherrschaft und dem Kriegsschauplatz europäischer Mächte im Zweiten Weltkrieg verursacht…Der nach der britisch-französischen Militärverwaltung eingesetzte König Idris I. beendete den Kolonialismus nicht: Großbritannien und die USA griffen nach dem libyschen Öl und errichteten Militärstützpunkte…Es ist erstaunlich, dem großen und skrupellosen Gegner (USA, Anm.) 42 Jahre lang widerstanden zu haben. Dieser lange Kampf hat auch bei Gaddafi Spuren hinterlassen…                                                                                                       Für Gaddafi und die gesamte arabische Welt ist es eine bittere und wohl auch nützliche Lehre, daß der Westen Zugeständnisse und Wohlverhalten nicht honoriert. Dabei ist das Regime mit der Privatisierung der Betriebe sehr weit gegangen. Seit dem radikalen Wandel ab 2003 ist Gaddafi mit seiner Forderung nach weltweiter atomarer Abrüstung und Selbstbestimmung womöglich für einige Machteliten gefährlicher geworden als er das zuvor als „nützlicher Feind“ war…                                                                                                 Die früheren Kolonialmächte haben sich mit dem Verlust ihrer Kolonien nie wirklich abgefunden. Selbstbestimmung ist für europäische Mächte ein Fremdwort, – wenn es andere betrifft. Der Einfluß wird heute mit subtileren Mitteln ausgeübt …                                Die Westmächte sind lernpathologisch. Sie sind blind für das Selbstschädigungspotential militärischer Mittel. Aber dieses Verhalten kennzeichnet Staaten im Niedergang. Sie kennen keine Diplomatie mehr und greifen zu militärischen und geheimdienstlichen Interventionen…                                                                                                                              Bei Gaddafi steht in der Tradition von Nasser die arabisch-libysche Nation im Mittelpunkt seines Denkens. Moslem ist er erst in zweiter Linie. Der libysche Revolutionär ist der einzige arabische Führer, der ein innen- und außenpolitisches Konzept hat….Die  Rebellion in der arabischen Welt wurde genutzt, ihn loszuwerden…

Wie sagte doch erst der Gaddafi-Kenner und Übersetzer dessen Grünen Buches, Heiner Lohmann, ganz richtig: Gaddafis Dritte Universaltheorie sei eine Kampfansage an die Globalisierer gewesen. Daß ein einst idealistischer und authentischer Gaddafi in Cäsarenwahn verfallen konnte, führt derselbe auf Drogenkonsum und Machtabnützung zurück.                                                                                                                                              Fazit: Die Gunst der Stunde zu nutzen, gilt auch für den Augenblick einer rechtzeitigen Machtübergabe. Darin gescheitert zu sein, unterscheidet Gaddafi nicht so sehr von vielen westlichen  Politikern.

Siehe auch Interview Saif Gaddafi:  http://www.youtube.com/watch?v=NvLqf1Zt8_k

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3 Antworten zu Hinter den Kulissen

  1. Peschka Wilhelm schreibt:

    Aber nein,nichts davon ist wahr wenn man etwas von westlicher Verschwörung beim anzetteln von Revolutionen liest!Solche Volksaufstände entstehen immer ganz spontan,das konnte man z.B.bei der Orangenen Revolution in der Ukraine deutlich sehen.Ganz spontan hatten da in dem bitter armen Land,tausende Demonstanten plötzlich orangene Schals umgebunden!Man sieht,Wunder geschehen auch noch heutzutage!

  2. Paul Fischer schreibt:

    Es ist sehr tröstlich, dass verschiedene amerikanische und andere Organisationen der Demokratiebewegung auf die Beine geholfen haben. Eine koordinierte Regierungsaktion ist das jedenfalls nicht. Dass der CIA da mitmischt, ist wohl selbstverständlich. So war es ja auch im einstigen Ostblock, nur dass hier mehr europäische Organisationen aktiv waren, wie erinnerlich auch Erhard Busek. Dass solche Demokratieschulungen nicht immer Erfolg haben, zeigt der Rückschlag in der Ukraine, wo sich wegen des Streits der Demokraten wieder eine sowjetische Linie durchgesetzt hat.

    Was Gaddafi betrifft, kann man nur staunen, dass UNO, Nato und EU diesmal so rasch reagiert haben. Trotzdem ist es fast zu spät gewesen. Es steht zu hoffen, dass diesen mörderischen Spinner irgendjemand umlegt. Eine Welt ohne Gaddafi wäre ein Segen, so wie uns auch Saddam Hussein so überhaupt nicht abgeht. Weitere Kandidaten zur Entsorgung: Osama bin Laden, Ayman al-Zawahiri, Mullah Omar, Robert Mugabe, Fidel Castro, Hugo Chevez und natürlich unser spezieller Freund Mahmoud Ahmadinejad.

  3. sozrev schreibt:

    Daraus lässt sich schließen das Paul Fischer für hunderttausendfachen Massenmord plädiert. Das wäre jedenfalls die Konsequenz seiner Forderung.

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