Marine Le Pen ante portas

Marine Le Pen hätte gute Aussichten bei den Präsidentschaftswahlen 2012 in die Stichwahl zu kommen, womit Sarkozys Wiederwahl  gefährdet wäre. Aber noch ist die Sache nicht gelaufen.  Le Pens Tochter wird wohl noch die jüdische Gemeinde, deren Mitglieder in allen wichtigen Bereichen der französischen Gesellschaft  (von Medienzaren bis zu großen Unternehmern) stark vertreten sind, von ihrer  politisch korrekten Gesinnung  überzeugen müssen.                                                                                                   Als eine Vorleistung in dieser Hinsicht dürfen einige Aussagen in einem Gespräch mit dem Magazin Le Point gesehen werden. Unter anderem erklärte sie sinngemäß, sie sei sich der Barbarei in den KZ durchaus  bewußt (weshalb sie auch Schülerbesuche in Auschwitz befürworte).  Ebenso wisse sie,, daß die deutschen Soldaten, Väter und Großväter der heutigen Franzosen „ermordeten“.  Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!              Le Pens Aussage nahm der Direktor des „ Radio J“, eines der vielen jüdischen Radios in Frankreich, zum Anlaß, sie zu einem Interview einzuladen. Dabei hatte er sich wohl etwas übernommen, denn der massive Protest aus seinen eigenen Reihen, angefangen beim mächtigen Conseil représentatif des institutions  juives de France (CRIF) bis hin zu einflußreichen  jüdischen Intellektuellen machten derart Druck, daß das Gespräch mit Marine  Le Pen, die auch von Morddrohungen sprach,  abgesagt werden mußte.              Nachdem sie aber auch als Rassistin und Antisemitin beschimpft worden war, hat sie gerichtliche Schritte gegen zwei  Organisationen angekündigt.  Man nimmt ihr halt nicht ab, daß sie anders sei als ihr Vater.  Wird sie deshalb, wie Strache,  erst an die Klagemauer  und zu den Siedlern pilgern müssen?

Ich denke, sie müßte nicht, aber wie andere Rechtspopulisten auch, scheint  ihr eine Anerkennung durch das System, und damit auch eine Regierungsbeteiligung, über alles zu gehen. Der Front National  hat auch unter ihrer Führung ja nicht die Absicht Frankreich von Grund auf zu erneuern. Wie die Freiheitlichen in Österreich gibt zwar auch ihre Partei, speziell  in der Ausländerfrage, wichtige und auch richtige  Anstöße, die in weiten Kreisen zum Nachdenken anregen oder auch  Beifall bringen. In der Sarkozy Partei  führt es immerhin  dazu, daß eine Abgeordnete (Chantal  Brunel) gar davon spricht, man solle die illegalen Einwanderer umgehend wieder in ihre Boote setzen. Das österreichische Beispiel lehrt allerdings, daß eine Regierungspartei mit solchem Vorpreschen eher dem „Original“ die Wähler zutreibt.                                                                                                                     Marine Le Pen  könnte jetzt  durch die massiven Angriffe der jüdischen Lobby  sogar zusätzlichen Rückenwind bekommen haben. Eigentlich hätten ihre Gegner  eine solche Vorgansweise vermeiden sollen, die schon Haider und Waldheim  erheblich Stimmen gebracht hatte. Le Pen ist jetzt die zu Unrecht ausgegrenzte, so werden es viele sehen. Und ob man damit dem Antisemitismus den  Wind aus den Segeln nimmt, darf auch bezweifelt werden.                                                                                                                                             Nun ist es  wahrscheinlich ziemlich egal, wer nächster Präsident wird, Sarkozy wahrscheinlich nicht mehr, solange die an sich intelligente und eloquente Marine Le Pen (und hier wieder eine Parallele zu  dem etwas einfacher gestrickten Strache) keine  grundlegende Systemänderung auf nationalrevolutionärer Basis anstrebt.

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2 Antworten zu Marine Le Pen ante portas

  1. sozrev schreibt:

    Marine Pe Pen weilte schon 2003 im Lager des US-Imperialismus. Damals wurde sie von der Frauenorganisation der US-REPs eingeladen. Das war in dem Jahr als Bush gegen den Irak losschlug.

    Marine Le Pen ist als EU-Parlamentarierin Mitglied im Ausschuss für „Freundschaftsbeziehungen zwischen dem Europaparlament und Israel“.

  2. karl malden schreibt:

    Im Unterschied zu Strache könnte man Marine Le Pen tatsächlich Regierungskompetenz zutrauen. Aber in der Einwandererfrage würde dasselbe rauskommen: Es bliebe wie es ist.

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