Vormärzliches Wetterleuchten

Geschichte wiederhole sich nicht, sagt man.  Man sagt aber auch, alles schon dagewesen. Nun können wir, wenn wir an heutige Verhältnisse denken, sicherlich nicht von demselben Vormärz sprechen, den unsere Vorfahren kannten. Und doch gibt es, im Vergleich zu damals, ähnliche Phänomene, etwa die  heutige massive Wahlenthaltung (vergleichbar dem apolitischen, zurückgezogenen Leben im Biedermeier) einerseits, andererseits die  aktiven Bürgerengagements und Protesthaltungen  heute(damals vor allem im literarischen und studentischen Bereich) und nicht zuletzt aber, wie damals auch, die Politische Korrektheit und ein umfassendes Überwachungs- und Zensurinstrumentarium. Braut sich aber deshalb schon wie anno dazumal etwas Besonderes zusammen?  Entlädt sich nach Bürgerfrust die zu allem entschlossene Bürgerwut?                                                                    Es ist ja kein Geheimnis, daß längst etwas faul ist im Staate. In demselben, in dem (wie in Brüssel) Privilegierte es sich richten, in materiellem Überfluß schwelgen, dem mit seiner Existenz ringenden kleinen Mann den letzten Cent aus der Tasche ziehen und ihm sonst einen guten Tag wünschen. Ein unter Schuldenlast stöhnender Staat, der Banken und Konzernen ihre mit massiven Entlassungen verbundenen Rationalisierungsmaßnahmen großzügig nachsieht und  gleichzeitig deren Milliardengewinne auch noch mit Milliardengeschenken aufbessert.                                                                                                     Wir haben es ohne Zweifel mit einer  aus dem Ruder gelaufenen  Politik zu tun, in der es deren Machern und Günstlingen nur mehr darum geht, in eigener Sache das rettende Ufer zu erreichen. Hinter uns die Sintflut hieß es einmal,  dieser Spruch hat zumindest auch für die Politiker seine Gültigkeit bewahrt.

So darf es einen nicht wundern, wenn es da und dort bereits gärt, was der in Staat und Gesellschaft herrschenden Klasse und deren Anhang, wie der Wiener sagen würde,  aber völlig „wurscht“ (egal) ist. Das betrifft inzwischen jeden Bereich unseres Lebens und unserer Gesellschaft.                                                                                                                       Solange, um ein Beispiel zu nennen, unter der Ausländerkriminalität oder unter unhaltbaren Multikulti-Zuständen hauptsächlich die Masse der Bevölkerung zu leiden hat,  ist bei denen da oben oder da drinnen (also innerhalb des tatsächlichen Wohlstandsgürtels) die Drei-Affen-Wahrnehmung angesagt: Nichts hören, nichts sehen, dazu schweigen. Ein großer Fehler, denn mittlerweile melden sich sogar jene bereits zu Wort, die eigentlich zum Schutze der herrschenden Klasse in Staat und Gesellschaft da sind und über diese kein schlechtes Wort verlauten lassen dürften.                                                                                  Was mir seit einiger Zeit etwa auch  Polizisten laut und deutlich ins Gesicht sagen, sollte die Verantwortlichen aber doch alarmieren. Da geht es nicht mehr bloß um Personalnot oder  schlechte Besoldung, da geht es, auch wenn die Sicherheitspolitik ebenfalls bemängelt wird, schon um mehr, nämlich um gesamtgesellschaftliche Probleme und nicht zuletzt um das Versagen der Politik ganz allgemein. Das, wie ein Beamter meinte, eine Revolution rechtfertige. Starke Worte!                                                                                                           Wenn Polizisten mir, einem eigentlich wildfremdem Mann, ihren reinen Wein einschenken, dann kann man ermessen, wie hoch der Grad von Frust und Wut ganz allgemein bereits sein muß. Eine Stimmungslage, die weite Bevölkerungsteile erreicht hat und als vormärzliches Wetterleuchten bezeichnet werden kann. Möge das Gewitter, das sich in absehbarer Zukunft über den Häuptern der Verantwortlichen entladen dürfte, entsprechend heftig sein.

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3 Antworten zu Vormärzliches Wetterleuchten

  1. Paul Fischer schreibt:

    Für eine Revolution braucht man junge Menschen. Die gibt es bis zum Ende des Jahrhunderts nicht mehr. Auch Multi-Kulti ist kein Problem. Bis 2100 haben wir die Umma in Europa, das heißt eine islamische Mehrheit. Dass die Politik flach wird, ist auch kein Problem – ein chinesischer Fluch lautet: „Mögest du in interessanten Zeiten leben1“
    Wir haben unsere sozialen Unebenheiten grosso modo gelöst. Alles weitere ist Übermut. Sogar Konjunkturkrisen können wir ausgleichen. Und gegen das teuer werdende Öl sind auch ein paar Kräuter gewachsen. Was bleibt da noch zu tun? Ideen gäbe es viele udn nur das Geld dafür nicht. Bis auf die FPÖ haben die Parteien keine Agenda mehr. Der SPÖ fehlen die Arbeiter, der ÖVP die Christen, Grüne Politik machen ohnehin alle anderen und das BZÖ wird verschwinden wie einst Heide Schmidt.

    Die Zukunft der Politik liegt in einer Dritten Republik, ein freies Parlament ohne Clubzwang und ohne Wiederwahl der Minister und Abgeordneten. Wahlen alle zwei Jahre in einem Drittel der Wahlkreise. Das Gehalt richtet sich nach dem letzten Zivileinkommen + eine nicht zu üppige Aufwandsentschädigung.

    Der Bundesrat wird nach dem Schöffenprinzip für jeweils zwei Jahre zusammengesetzt.

    • Fritz schreibt:

      Eine Dritte Republik wollte schon Haider. Daraus geworden ist eine Dirty Republic. Irgendwie versandet bei uns immer alles in der weiten Ebene der Lethargie.

  2. claudia schreibt:

    Österreicher und Revolution? Daß ich nicht lache. Eher schwimmt ein Kamel die Donau hinauf.

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