Nicht ganz abseits von Tripolis

Nicht ganz abseits von den Aufständen in Nordafrika und den Unruhen im Iran oder in Bahrein sollte auch der Libanon in unserem Blickfeld bleiben. Können wir doch aus dem Schicksal dieses leidgeprüften Landes einiges lernen.  Dieser  Multikulti-Staat, einst die „Schweiz des Mittleren Ostens“ genannt,  wird seit vierzig Jahren von allen möglichen  Seiten bedroht, regelrecht geprügelt und vergewaltigt.  Zehntausende Libanesen haben seither das Land verlassen. Das einst berühmte politische Gleichgewicht  (Präsident ein Christ, Regierungschef ein Sunnit und Parlamentspräsident ein Schiit) war in glücklicheren Zeiten allen Parteien ein heiliges Gut, aber das scheint passé.                                                   Heute ist das Land ein Exerzierfeld unterschiedlicher Kräfte des In- und Auslandes auf dem Verschwörung, Verrat und Verbrechen bestens gedeihen. Zwei Präsidenten, zwei Ministerpräsidenten und eine Reihe Abgeordneter wurden ermordet. Für das letzte mörderische Attentat auf einen Ministerpräsidenten, Rafic  Hariri, werden Syrien und die Hisbollah dieses Verbrechens beschuldigt.  Schon aber warnt die Partei Gottes  jeden davor,  dem Tribunal bei der Aufklärung dieses Verbrechens behilflich  sein zu wollen.  Man werde einem  solchen Verräter die Hand abhacken, soll  ihr oberster  Führer gesagt haben.                                                                                                                                              Ohne Revolution, ohne größere Gewaltanwendung hat diese schiitische Partei  ihren Einfluß und ihre Macht im Land stetig vergößert. Bei anhaltendem Erfolg könnte sie über die Region hinaus noch eine Vorbildwirkung auch auf sunnitisch geprägte Länder ausüben.

Vor nahezu dreißig Jahren waren die Schiiten des  Libanon  einigermaßen unbedeutend. Jetzt sind sie mit Hilfe des Iran zur bestimmenden Kraft im Lande geworden. Nicht unverdient: Die Hisbollah unterstützt  in ihrem Herrschaftsbereich die Armen, sorgt für Ordnung, hat einen funktionierenden Gesundheitsdienst aufgebaut und baut Wohnungen. Und besonders wichtig: sie leistet Israel  erfolgreichen Widerstand.                                         Der Zionistenstaat, der mit den Aufständen  in Nordafrika jetzt zusätzlich  Sorgen am Hals hat,  und der auch  von der Türkei derzeit nichts Gutes erwarten darf, ist der schiitische Machtzuwachs an seiner Nordgrenze eine unerwartet große Bedrohung  geworden.          Aber nicht nur für Israel, auch für die Golfstaaten und Saudi Arabien könnte die Entwicklung sowohl  im Libanon wie eben auch in Nordafrika  noch größere Besorgnis als bisher auslösen.  Da  ist es nur verständlich daß man sich in den besorgten Hauptstädten dieser Region ganz offen einen Zusammenbruch des iranischen Modells herbeiwünscht. Was aber an der Gefährdung Israels wenig ändern würde. Denn niemand vermag zu sagen, welche Kräfte innerhalb des  Islam noch zur Entfaltung kommen werden und in welcher Weise.  Auch die in Islamfragen und  dem  Einwandererproblem  überforderte  EU könnte daher noch zu einem Pulverfaß mutieren,  wenn diese islamischen Kräfte gebündelt und nach außen gerichtet auch innerhalb Europas wirksam werden sollten.

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3 Antworten zu Nicht ganz abseits von Tripolis

  1. Paul Fischer schreibt:

    Der Libanon, lange Zeit wohlhabend und stabil, kippte 1975 in einen verheerenden Bürgerkrieg, der Anfang der 80er Jahre mit einer zeitweiligen Besetzung des ganzen Landes durch Israel endete. Christen und Moslems hielten sich viele Jahrzehnte die Waage, die politischen Gleichgewichtsmechanismen waren effektiv. Die erste Gefahr eines Bürgerkrieges wurde 1958 durch Eisenhower und Dulles verhindert. Ledernacken landeten an der Küste des Libanon und bewahrten den Frieden. Die nach der Staatsgründung Israels 1948 ins Land geflüchteten Palästinenser veränderten die Machtgleichung, das System wurde instabil. Als zweiter Faktor mache sich die Unterschiedliche Geburtenrate bemerkbar. Nach dem Zweiten Weltkrieg sank die Zahl der Geburten bei den Christen deutlich gegenüber der bei Sunniten und Schiiten. Die politischen Ausgleichsmechanismen aber wurden nicht angepasst. Zudem sorgte die rasche Radikalisierung der PLO unter Jassir Arafat zu Schlägen Israels, unter denen auch die Christen des Libanons zu leiden begannen. Der Unmut über die „fremde“ terroristische Präsenz wuchs. Die Situation war für einen Bürgerkrieg war aufbereitet.
    Die Moslems konnten damit verbundene Hoffnungen mit Gewalt nicht verhindern. Die PLO wurde aus Beirut nach Tunis vertrieben. Christliche Milizen setzten mit einem von Israel geduldeten Massaker in den Palästinenser Lagern Sabra und Schatila eins drauf.
    Jetzt erwuchs für Israel und den Libanon aber eine neue Gefahr, das neue islamistische Regime im Iran. Von Teheran aus wurden serienweise Entführungen von amerikanischen Soldaten, Piloten von Zivilmaschinen, Geschäftsleuten und Vertretern von NGO,s organisiert, die erst aufhörten, als der Angriff Saddam Husseins auf die persische Provinz Khusistan die Ajatollahs an den Rand der Vernichtung brachten. Davor hat die nun radikalisierte schiitische Hizbollah noch den großen Reagan, der einen Strich durch die Wüste ziehen wollte, einen massiven Streich versetzt. Fast 300 im Libanon stationierte US-Soldaten wurden mit einem Bombenattentat aus der Welt geschaffen. Die Amerikaner bliesen zum Rückzug.
    Und die Hizbollah war als Schwert der Ambitionen Teherans etabliert. Den Israelis hat der Rückzug aus dem Libanon nichts gebracht. Die Hizbollah entführte weiterhin israelische Soldaten und häufte ein irrwitziges Arsenal an Raketen an, mit denen israelische Städte und Dörfer beschossen wurden, seit dem Rüczug Israels aus Gaza unterstützt auch durch Beschuss aus Gaza durch die Hamas. Die nächste aus dem Iran hochgepäppelte Terrororganisation. Israel rächte sich mit der Ermordung von Hamasführern vorzugsweise aus der Luft. Das schwächte diese Leute, konnte aber die Hamas nicht besiegen. Effektiver war da schon die Errichtung einer Mauer rund um die West Bank. Selbstmordattentate in Israel haben damit aufgehört. Man weiß, dass Israel einen gigantischen Luftschlag gegen das iranische Atomprogramm plant, bei dem auch Neutronenenbomben als Bunkerbrecher zum Einsatz kommen könnten. Davor wird versucht, das Regime in Teheran zu stürzen. Verbündete dabei sind die Volksmuhajedihn – einst selber vehemente Gegner des jüdischen Staates auf palästinensischem Boden. Möglicherweise führen die Umstürze von Tunis bis Bahrain dazu, dass Israel in seiner Absicht blockiert wird nukleare Forschungseinrichtungen für mindestens 10 Jahre zurückzuwerfen. Die Unterstützung Saudi Arabiens und Ägyptens dürfte jetzt nicht mehr gegeben sein. Das, was sich Israel immer gewünscht hatte, nicht mehr – neben dem Libanon – die einzige Demokratie im Nahen Osten zu sein, wird es zum Umdenken zwingen. Eine neue politische Initiative im Zusammenhang mit einem europäischen Marschallplan für den Nahen Osten könnte die Wende bringen. Andernfalls droht langfristig ein atomares Masada.

    • Cornelia schreibt:

      Genau das Gleiche wie im Libanon wird auch uns blühen: Mord und Totschlag, politische Anarchie, Aufkommen eines radikalen, autoritären Regimes.

  2. Pingback: Nicht ganz abseits von Tripolis « Sache des Volkes

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