Macht und Machtausübung

In seinen Vorträgen  über Nietzsche spricht Heidegger, der andere Philosoph,  vom Willen zur Macht als Grundcharakter des Seienden als solchen. So hingestellt erscheint  Macht als ein neutrales Phänomen, doch  in  ihrer Ausübung  kann und muß  ihr eine ethische  Eigenschaft zugeordnet werden. So wird  sie als  verantwortete Macht,  um ein aktuelles Beispiel anzuführen,  in Washington und  in Kairo gleichermaßen  in den Dienst  bestimmter, guter oder weniger guter Ziele gestellt. Diese und das Wie geben, unter jeweils anderen Bedingungen natürlich,  Auskunft über den ethischen und, da das eine vom anderen schwer zu trennen ist, auch moralischen  Gehalt  etwa einer  politischen Machtausübung.                                                                                                                           Aber, bitte,  was hat Moral in der Politik verloren?  wird so mancher fragen.   Vor allem wenn es um Interessen von Großmächten geht. Da dürfen schon einmal einige hunderttausend Tote  als Kollateralschäden verbucht werden.

In diesem Sinne könnte der  Chefredakteur der Presse verstanden werden, der  in einem Kommentar zu den Ereignissen am Nil und der Kritik an dem  anfänglich zögerlichen Verhalten des Westens meint, wer nichts zu verlieren habe, könne leicht moralisch  sein . Für die großen Mächte stünden ökonomische Beziehungen, strategische Interessen und militärische Konstellationen auf dem Spiel. Man habe ihnen immer den Vorwurf gemacht, sie stellten solche Interessen über die Moral. Soweit Michael Fleischhacker.                   Heißt das, einer, dem das Wasser bis zum Halse steht, kann leicht moralisch sein, ein anderer aber, der über Millionen Schicksale oder strategische Probleme  zu entscheiden hat, darf ruhig unmoralisch sein?                                                                                                   Schließlich das Presse-Resümee: „Seien wir froh, dass sie (die großen Mächte) es tun (die Moral hintanstellen). Denn im Namen einer höheren Moral agieren die Selbstmordattentäter in Tel Aviv, Kabul und Bagdad.“  Nicht nur sie, lieber Michael Fleischhacker.

Können denn Verbrechen und schweres  Fehlverhalten des US-Imperialismus oder der roten Mandarine in Peking, die beide ja auch eine höhere Moral beanspruchen, wirklich  im Namen von höheren Interessen entschuldigt werden?  Die Ausführungen des Presse-Chefredakteurs  überraschen insofern, da er als einer gilt, dem platonisch-aristotelische und christliche Lehre so wenig fremd sein sollten wie die Verantwortungsethik eines Max Weber.                                                                                                                                                Ich meine, nur weil mächtige Staaten wie die USA oder Alleinherrscher wie die KP Chinas  glauben, sich über ethische und moralische Prinzipien locker hinwegsetzen zu können, sollten weder Journalisten noch Politiker davon ablassen, die sittliche Durchgestaltung der politischen Daseinsordnung als eine Dringlichkeit der Zeit in den Vordergrund ihrer Überlegungen zu stellen.

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