Facebook statt Humboldt

Politiker gackern gerne bevor das Ei gelegt ist, besonders vor Wahlen. Und sie sprechen gerne in Superlativen. Was bei Österreichs Unterrichtsministerin Schmied und Wissenschaftsministerin Karl „Ein Meilenstein der Schulreform“ sein soll, muß sich als solcher erst erweisen. Was schwierig sein wird, schließlich hat man ja bloß an der Oberfläche herumgedoktert. Den Lehrer als Respektperson wird es wahrscheinlich auch in Zukunft nicht geben, erweiterte Rechte der Schüler aber ganz gewiß. Und mit Hausaufgaben und Noten wird man die Schüler auch in Zukunft nicht plagen wollen. Wetten?                                                                                                                                    Wilhelm von Humboldt ist dabei wohl nicht Pate gestanden, er war kein „Fan“ einer Mittelschule und hielt schon gar nichts von „Show“ auf Kosten wahrer Bildung. Typisch ewiggestrig, müßte es darauf  eigentlich nicht nur aus der linken Ecke meckern.  Denn hinter dem heutigen Bildungssystem  steht doch auch die „rechte“ Wirtschaft als graue Eminenz des heutigen Bildungsideals, will heißen: berufsorientierteres, wirtschaftsfreundlicheres  Lernen.                                                                                 Nützlichkeitsdenken war aus Humboldts Schule aber verbannt, Sklaven der Wirtschaft waren nicht sein Erziehungsziel. Erst ganzheitlich bilden, Erziehung und Bildung im Elternhaus, Bildung und Erziehung in der Schule. Das eine ist von dem anderen nicht zu trennen ohne Schaden für das eine.

Humboldt wollte erst Menschen bilden, diesen die Chance geben, sich zu Persönlichkeiten entwickeln, ihre Begabung und Fähigkeiten wecken, ehe sie eine Berufstätigkeit anstreben. Das Einmalige und Besondere des Menschen erfassen, sie mit Grundfragen menschlicher Existenz konfrontieren, kurz, ihnen in vielfältiger Weise eine umfassende Bildung angedeihen lassen und den Sinn ihres Lernens Schritt für Schritt verstehen lassen. In welcher Schule geschieht dies noch?                                                                                          Wer sich heute mit Schülern befasst, kann sich über deren ungenügende Allgemeinbildung nur wundern. Nicht nur über das. Auch über schlechtes Benehmen. Ganzheitliche Bildung und guter Ton gehören nicht zum heutigen Bildungsideal. Das wird es auch in der neuen Mittelschule nicht geben, dafür sorgt der Zeitgeist. Mit der neuen Mittelschule wird der bisherige Bildungs- und Erziehungsmurks bloß umbenannt und weiter auf ein niedrigeres Niveau getragen. Aber Hauptsache wir haben Schulabgänger, die von Mobiltelefon und Facebook  mehr verstehen als von gegenseitigem Respekt und einem sinnvollen Leben.

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Eine Antwort zu Facebook statt Humboldt

  1. Gustav Strasser, MAS schreibt:

    Geschätzter Herr Müller! Sie haben wie so oft recht. Die Allgemeinbildung der Jugend liegt im Argen und auch das Benehmen so mancher junger Menschen lässt zu wünschen übrig. Schuld daran ist aber weder das Internet noch soziale Netzwerke wie Facebook. Hätte es das weltweite Netz zu Alexander von Humbolds Zeiten gegeben, er hätte es zu nutzen gewusst. Das „World Wide Web“ ist – zumindest für mich – mehr Segen denn Fluch und gibt uns Möglichkeiten einer freien Meinungsäusserung, die anderenfalls nicht möglich wäre. Auch Sie, werter Freund Müller, nutzen dieses Medium. Und das ist gut so. Dass wir heute Kinder und Jugendliche vorfinden, die nur mehr schwer als „mündige Bürger“ bezeichnet werden könne, ist ein Problem ihrer Erziehung, also zu einem Gutteil von ihren Eltern verursacht.
    Liebe Grüße aus Krems,
    Gustav Strasser

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