Hurra, wir liquidieren!

Bei  Liquidation denkt man üblicherweise an etwas ganz bestimmtes. Eine Firma oder, schon schlimmer,  er, sie, es wird liquidiert. Es gibt aber andere nicht minder schwerwiegende Beseitigungs-„Opfer“ . In der Tat, was wurde nicht schon alles, materieller oder ideeller Natur, aus dem Verkehr gezogen oder soll demnächst abgeschafft werden. Dazu ein aktuelles Beispiel: Der Drang nach Abschaffung der Wehrpflicht  hat zwar politische und ideologische Gründe, spricht aber auch für den Zeitgeist. Und der will es so vielen wie möglich leicht machen. Alles, was im Leben Mühe und Anstrengung erfordert, aber  dem Einzelnen oder einer Gruppe nichts oder wenig bringt, wird  in fernere Zeiten  entsorgt. Man frönt jetzt selbstvergessen einer Kultur der Bequemlichkeit und der Beliebigkeit, alles soll leicht gehen.  Sollen uns doch, das Beispiel Wehrpflicht heranziehend, die neuen „Sklaven“, sprich Einwanderer, einmal die Kastanien  aus dem Feuer holen. Sicher, vor allem Immigranten am unteren Ende der sozialen Leiter würden sich in Scharen zum Berufsheer melden. Den Finger am Abzug, wo und gegen wen auch immer, das schafft auch ein arbeitsloser oder schlecht bezahlter  Austro-Türke.                               Nach der  Devise,  der Weg des geringsten Widerstandes ist das Ziel, soll dieser für alle anderen auch noch „geil“ sein und  entsprechend hoch honoriert werden. Pflichten sollen möglichst nicht mehr zugemutet werden, zumindest nicht mehr als in einen Ochsenkopf hineingeht. Außer man darf dabei  im Rampenlicht stehen, dann allerdings gibt es sogar eine freiwillige Zugabe.                                                                                                                    Zu den Errungenschaften dieses sich leicht machenden Kulturwillens gehören aber auch ganz banal scheinende Dinge wie ordentlich denken: Dreimal die Zwei mit  dem Taschenrechner zusammenzuzählen (obwohl dies  selbst ein  ausgewiesener Schwachkopf  früher  schaffte). Seinen Sitz im Bus einer älteren Person  nicht anbieten (weil das Aufstehen so beschwerlich ist). Seinen Abfall da liegen lassen, wo man sich gerade befindet (obwohl der Abfallkorb nur drei Meter davon  entfernt angebracht ist). Daß  die Liquidation von nicht im stofflichen Bereich angesiedelten Verhaltensweisen negative Folgen für Staat und Gesellschaft mit sich bringen können, sollte eigentlich nicht nur Verantwortungsträgern  klar sein.

Die neue Kultur des leichten Sinns und der Wurstigkeit ist ja bekanntlich  in der Politik längst beheimatet. Könnte man nicht sagen, sie habe von dort ihren Ausgang genommen? Wie auch immer, fehlende vorausschauende Einsicht  und sorgloses Verwalten gehen Hand in Hand mit der Liquidierung all dessen was die Fortbestandsmöglichkeit einer Gesellschaft oder eines souveränen Staates bisher gewährleisten konnte.  Man liquidiert seriöse  Staatslenkung so gnadenlos wie  Tradition , Meinungsfreiheit  oder Staatsbetriebe und Volksvermögen.  Zuletzt noch, nachdem das Vaterland als Konstante im Bewußtsein des Bürgers längst abgeschafft wurde, den neutralen Staat als Draufgabe.                          Lockerer Sinn und lockere  Hand wurde zum Markenzeichen einer  verantwortungslosen, opportunistisch agierenden Politik, die es geschafft hat, im Volk den Glauben an sein Daseinsrecht auszutreiben und  im gleichen Atemzug  alle historischen Daseinsformen von den  Glaubensinhalten bis zu den überlieferten Ehr- und Rechtsbegriffen  dem Zerfall preiszugeben. Vieles von dem, was heute als fortschrittlich gilt, geht einher mit der Abschaffung von etwas anderen, etwas, das einmal als  kulturfördernd  und –stiftend gegolten hat. Dieses aber setzte die Bereitschaft zu besonderer Anstrengung und Verzicht voraus.                                                                                                                                              Hier soll durchaus nicht alles Alte gepriesen oder Untergegangenes heraufbeschworen, Nostalgie betrieben werden. Vieles Nützliche und Lebensbejahende aber wurde durch politisches Handeln oder politische Fahrlässigkeit liquidiert. Wie schon erwähnt, nicht nur im materiellen Bereich. Gutes Benehmen, zum Beispiel. Oder Gefallenengedenken.                Unverkennbar findet eine Entwicklung statt, die auf  Oberflächlichkeit, Niveau- und Qualitätsverlust hinsteuert. Vieles verflacht und verroht, läuft schon auf Zwangsidiotisierung und Zwangsverkindung (auch in der Politik) hinaus. Geistige Anspannung, herausragende Gedanken machen sich rar. Und bald wir auch. Hurra!?

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2 Antworten zu Hurra, wir liquidieren!

  1. Cornelia schreibt:

    Das reißt doch keinen Schlawiener aus den Federn. Ruhe sanft in den Armen Mammons und genieße das Leben.

  2. Fritzi schreibt:

    Viel zu anstrengend. Wer will denn heute noch lesen? Bitte nur mehr Drei-Sätze-Kommentare, mehr schaffe ich nicht. Bin nicht von Gestern.

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