Feindbild Islam

Der Islam wird heute ganz allgemein als das große Feindbild herausgestellt. Fanatische Vertreter dieser Religion und voreingenommene Islam-Experten tragen das ihre dazu bei, daß Mißverständnisse und Fehldeutungen aufkommen. Daß unser Verhältnis zum Morgenland und zu dieser Religion schon einmal ein anderes war und daß nationale wie internationale Politik und Hochfinanz für die heutige Lage verantwortlich sind, wird gerne übersehen. Aber nicht diese, sondern die durch sie ermöglichte und von ihnen inszenierte Bedrohung wird von rechten Eiferern als Zielscheibe genommen. Symptom-Bekämpfung also.                                                                                                                                                    Die von einer gewaltigen zionistischen PR-Maschinerie beförderte und unterstützte Anti-Islam-Kampagne von Politikern und Intellektuellen des rechten Spektrums hatte vor kurzem mit der „Jerusalemer-Erklärung“ ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Auch wenn militante Islamisten (einst als Produkt der Kolonialisierung, jetzt der Globalisierung)  als Stein des Anstoßes in den Vordergrund gerückt werden, ist doch aus verschiedenen Stellungnahmen herauszulesen und herauszuhören, daß der Islam als Ganzes gemeint ist. Und zwar ein Islam, der in den schrecklichsten Farben gemalt wird. Die Verfolgung und Ermordung von Christen im Irak oder in Nigeria begünstigt klarerweise so ein Schreckensbild.                                                                                                                                         Daß es auch einen anderen Islam gibt, vieles Interpretationssache,  kulturbedingt oder politisch gesteuert  ist, wird gerne unterschlagen. Aussagen gemäßigter oder humanistisch gebildeter Muslime werden einfach ignoriert. Etwa die des verstorbenen, mir persönlich bekannten Islam-Gelehrten Ismail Balic´, der meinte, „nur das wirklich große und Humane im islamischen Rechtserbe dürfe  den Kern der Schari´a bilden“. Wobei es natürlich schon auch entscheidend ist, welcher islamischen Rechtsschule man anhängt.     In diesem Zusammenhang soll daran erinnert werden, daß Ibn Ruschd (gest.1198), näher bekannt unter Averroes,  mit seiner Philosophie, daß es eine Übereinstimmung von Offenbarung und Wahrheit geben könne, der Aufklärung in Europa Vorschub geleistet hat. Noch im Mittelalter ähnelten Christentum und Islam einander  in vielen Bereichen. Daß  Koran und Neues Testament einmal so unversöhnlich einander gegenüber gestellt werden, war einer späteren Entwicklung vorbehalten. Lessing sah den Islam noch als tolerante Religion, und auch Goethe war vom Koran beeindruckt, dessen „Zu Gott ist aller Euer Heimkehr“ (5:49),  an alle Monotheisten, also auch an Juden und Christen gerichtet ist.

Alles, von der ersten Niederschrift über die Sichtweise eines Literaten des neunzehnten Jahrhundert bis zu den Interpretationen der  Gegenwart kann nur im der jeweiligen Zeit entsprechenden Werte-Verständnis unter den jeweils herrschenden Bedingungen  verstanden werden. Daß der Koran einmal anders gelesen wurde, darf angenommen werden, daß sich heute die eine Seite die Rosinen herauspickt, die andere nur das Böse herauslesen kann oder will, scheint offenkundig. Daß der Inhalt dieses für mehr als eine Milliarde Muslime heiligen Buches von vielen auch als politisches Programm gesehen wird, ist mittlerweile reihum bekannt.                                                                                                      Nun ist es ebenfalls kein Geheimnis, daß nicht jede Sure des Korans feinfühligen Menschen empfohlen werden kann, und es heißt, daß man dieses „heilige“ Buch in arabisch lesen sollte, um es vollständig und richtig zu deuten. Was bei Überliefertem ohnehin schwierig genug ist. Von Mohammed selbst gibt es ja keine schriftlichen Aufzeichnungen, er soll Analphabet gewesen sein. Was wir von Mohammed wissen, stützt  sich auf angebliche Aufzeichnungen von Weggefährten und auf legendenhafte Berichte von Mohammeds erstem Biographen, Ibn Ishak, die verloren gegangen und daher  nur  mündlich überliefert sind.                                                                                                                                                      Seither ist viel Wasser  Rhein und Donau hinabgeflossen, aber noch trinken keine Kamele aus dem Rhein. Immerhin: viele Aussagen und Publikationen aus dem islamistischen Dunstkreis können heute tatsächlich dem Westen schon das Fürchten lehren (und den Populisten Munition liefern). Umso mehr, als diese extremen islamistischen Anschauungen und „Haßpredigten“  in rasch wachsenden islamischen Gemeinden Westeuropas, vor allem unter jungen Muslimen, aus verschiedenen, auch von uns verschuldeten  Gründen vermehrt Gehör finden.                                                                                                                     Daher erleben wir als  Reaktion auf  die  Zunahme islamistischer Wortmeldungen, auf Moscheen-„Boom“  und ungebührliches Verhalten vieler junger Muslim, nicht zuletzt tatsächlicher und herbeigeredeter Terrorgefahren wegen, eine Mobilmachung gegen den Islam. Wobei manche dieser Reaktionen an Heftigkeit und Deftigkeit nichts zu wünschen übriglassen, wohl aber an Ausgewogenheit und Objektivität. Nicht übersehen werden soll dabei, daß manche der  rechten Agitatoren vor zwei Jahrzehnten noch gar nicht so weit „rechts“ standen und insgesamt der harte Kern der heutigen Anti-Islam-Front die Gefahr einer Islamisierung damals anscheinend noch gar nicht erkannt hatte. Ja, einige unter ihnen sogar noch Multikulti predigten und erst eine Sinneswandlung vollzogen als der Degen, den sie gegen das Mehrheitsvolk führten, sich gegen sie selbst wandte.              Wenn daher jene, in deren heiligen Büchern ebenso Schreckliches wie im Koran (vielleicht sogar Schrecklicheres als dort)  steht und deren engere Welt uns mindestens so verschlossen und komplex ist wie die muslimische, vor dem Islamismus warnen, so mag das aus ihrer Sicht legitim sein. Was aber bringt ihre „nützlichen Idioten“  dazu, sich nun scheuklappenbewehrt auf den Islam zu stürzen? Weil sie jetzt die Möglichkeit haben, bewußt oder unbewußt, als Antisemiten zu agieren, ohne als solche erkannt oder gar angeklagt zu werden?

Selbstverständlich möchte kein vernünftiger, gebildeter Mensch, der in einer europäischen Kultur verwurzelt und beheimatet ist, eine Islamisierung seiner Heimat bzw. Europas. Die Abwehr einer solchen muß ebenso erlaubt sein wie die freie Religionswahl, es muß aber auch möglich sein, das Problem Islam in einer umfassenderen Sicht als bisher zu sehen und es vernünftig in einer für uns Europäer zufriedenstellenden Weise zu regeln. Methode und Weg, wie sie derzeit gehandhabt werden, tragen meines Erachtens eher zu einer Verschärfung, denn zu einer Lösung des Problems bei und zeitigen bestenfalls einen lachenden Dritten. Zumindest mittelfristig. Längerfristig wird man um eine Rückführung eines großen muslimischen Bevölkerungsanteils nicht herumkommen. Ein  jüdischer Intellektueller, dessen Name mir leider entfiel, sagte einmal ganz richtig, damit Völker sich verstehen, müsse man sie trennen. Das heißt weitergehend natürlich auch, ein Palästinenser-Staat wäre die einzig richtige Alternative zu der heutigen Sackgassen-Politik.                                                                                                                                                        Um nun hierzulande, vorbehaltlich einer endgültigen, von Inländerinteressen geleiteten Regelung, ein friedvolles Miteinander mit hier ansässigen Muslimen hinzukriegen und darüberhinaus den Islam als Phänomen der Geschichte richtig zu verstehen, genügt es nicht den Koran gelesen, in islamischen Ländern gelebt und ein mit Muslimen bewohntes deutsches oder französisches Stadtviertel besichtigt zu haben. Es genügt auch nicht diesbezügliche Horrormeldungen in den Medien oder ein Islam-Seminar konsumiert und danach die Klagemauer besucht zu haben. Man muß schon auch die unterschiedlichen Kulturen, Völkerschaften und Traditionen in den islamisch dominierten Ländern, nicht zuletzt aber einige der erstaunlichen Annäherungen an die Moderne, etwa in Marokko oder zaghafte Versuche selbst in Saudi-Arabien, ohne Vorurteile und mit offenem Herzen wahrgenommen haben.                                                                                                                      Allerdings ist klar, daß  mit modern anmutenden oder vorliberalen Ansätzen plus Internet der Einfluß der Eiferer und Betonköpfe noch nicht entscheidend zurückgedrängt werden kann. Zumindest nicht, solange dem Westen keine andere Politik gegenüber der islamischen Welt als die der Provokation einfällt und Erniedrigung und Unterdrückung (durch gekaufte Potentaten) zuläßt. Die derzeitige westliche Haltung beflügelt – ebenso wie die fremdbestimmte Stoßrichtung einiger rechter Parteien – eher die radikalen Kräfte im Islam, der ja insgesamt, schon aus Vernunftsgründen, so schwarz-weiß eben nicht gesehen werden kann und darf.                                                                                                               Kreuzzüge der Moderne könnten sich daher am Ende als Fiasko großer Tragweite erweisen, dessen Leidtragende ganz sicher nicht die zurzeit noch herrschenden Herren der Welt sein würden. Vielleicht ist das aber deren Ziel, denn ein aufgeklärter, moderner Islam mit seinem ungemein großen Reservoir an intelligenten und fleißigen Menschen würde den Machtanspruch der Herrschenden da wie dort viel eher in Frage stellen als intolerante Glaubenseiferer, deren Machtbasis Massen von ungebildeten, nicht kritikfähigen Gläubigen bilden.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Feindbild Islam

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    Ich könnte mir folgendes vorstellen. Die globalen Drahtzieher haben das Vordringen der Islamisten nach Europa so lange gefördert, bis diese wegen ihrer großen Zahl und der daraus resultierenden Präpotenz ihre Funktion, Unmut bei der autochthonen Bevölkerung zu erzeugen, erfüllt hatten. Dann konnte man zum Halali auf sie blasen, den allgemeinen Kampf gegen den Terror ausrufen, ein Bein in die Tür Europas stellen und eine Rechtfertigung für allfällige künftige kriegerische Auseinandersetzungen geliefert bekommen.. So perfide das alles auch ist, die Toleranz ist auf der politischen Ebene (auch wenn es Edelmenschen in allen Lagern gibt) eine Einbahnstraße, und Stadler sprach in seiner kürzlich gehaltenen Parlamentsrede zum türkischen Botschafter und mehreren Christenmorden vielen Leuten aus der Seele. Die These des zitierten jüdischen Philosophen, man müsse die Völker trennen um sie in Frieden leben zu lassen, ist wahrscheinlich völlig richtig, was gleichzeitig das Falsche an der Migration und dem in utopischer Weise postulierten „friedlichen Miteinander“ anspricht. Jetzt ist guter Rat teuer; am besten wäre es vermutlich eine Art Äquidistanz und die Hintanhaltung weiterer Migrationsbewegungen von der islamischen zur christlich-abendländischen Kultur. Ob der Koran nun gut oder böse sei, ist gar nicht mehr so sehr die Frage, wenn sich eine politische Eigendynamik entwickelt hat.

  2. helmut mueller schreibt:

    Wollen wir unsere Kultur wie auch unsere Identität bewahren? ist die Schlüsselfrage unserer Gegenwart. Wenn ja, dann ergeben sich bei Kenntnis aller Fakten und unter Berücksichtigung der dazu nötigen Voraussetzungen alle weiteren daraus zu unternehmenden Schritte. Dann ist nicht mehr eine Religion das Hauptproblem, sondern alles, was unser Dasein als Österreicher, Deutscher, Europäer gefährdet, ist dann aktiv abzulehnen. Das kann ein unversöhnlicher Islamismus ebenso sein wie der herrschende Raubtierkapitalismus. Oder eben auch Massen von integrationsunwilligen (auch -unfähigen) Fremden.
    Wir haben unser Schicksal in die Hände von Politikern gegeben, die diese Vertrauensgeste als Freibrief für allerlei Schandtaten mißbrauchen, Politiker, die letzten Endes auch dazu bereit scheinen, uns als Volk abzuschaffen.

  3. Cornelia schreibt:

    Schrecklich, was man über den Islam so hört. Schrecklich aber auch, was man von rechter Seite so mitbekommt, in Israel wie auch hier. Man gewinnt den Eindruck, da gleichen sich zwei wie aus einem Ei. Ziemlich braun jedenfalls.

  4. Pingback: Feindbild Islam « Sache des Volkes

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s