Was schenken wir eigentlich?

Weihnacht. Ein Betreiber von „Shopping Centers“  jubelt über die vorweihnachtliche Einkaufsfreudigkeit der  Österreicher. Der damit einhergehende Stress seiner Kunden und die nachhaltigen Folgen des nicht immer mit Verstand gesegneten Geldausgebens werden ausgeblendet, auch Politiker rühren das Thema nicht an. Man hält sich, man schafft sich lieber Süchtige und Abhängige. Wie es „da drinnen“ aussieht, geht niemand etwas an, so denken wohl Wirtschaft und Politik.                                                                                             Wir erfahren in der Regel wenig über nicht sichtbare, unter der Schuldenlast leidende, durch gescheiterte Beziehungen komplizierte oder zerrüttete Familienverhältnisse, die jede Festvorbereitung erschweren oder gar verhindern. Wenig auch über  krampfhaft zur Schau gestelltes Harmoniebedürfnis, etwa den „lieben“ Kindern zuliebe. Weihnacht, vom Altdeutschen her die Heilige Nacht, ist in vielen Fällen nur mehr ein lästiger Pflichttermin oder auch schon organisierte Fröhlichkeit mit eingeübtem Geschenkritual.                          Früher einmal, „als viele gleichviel hatten, nämlich nix, das war angenehmer“, wie Ulrich Índerbinen, der  in hohem Alter verstorbene Bergführer aus dem Wallis, sich ausdrückte  „Da half man sich gegenseitig aus“, und beschenkte sich so. Unter dem Christbaum lag, durchaus  nicht alle heiligen Zeiten, bestenfalls ein von der Mutter selbstgestrickter Pullover. Das war´s dann auch schon.                                                                                      Vielleicht war das Leben manchmal zu hart zu dieser Generation, zu karg, um großzügiger, gar verschwenderisch sein zu können. Auch im größeren Rahmen. Als der Ulrich die Neunzig überschritt, meinte er zum Fortschritt  in seinem Heimatort: „Wie ist das bloß möglich, vor einigen Jahren gab es noch den Gemeinnutzen, und jetzt hat unsere Gemeinschaft hunderte Millionen Schulden?“

Wir wissen, wie das geht. Dem Einzelnen geht es ja heute vielfach nicht anders. Die Kreditkarte, der Überziehungsrahmen machen es möglich. Die Erzeuger, der Handel, die Banken, sie alle verdienen an unserer Konsumsucht. Und heizen sie mit ihrer Werbung weiter an.                                                                                                                                              So türmen sich mancherorts Jahr für Jahr haufenweise auch sinnlose Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Nicht selten schon wartet man deshalb vergeblich auf das berühmte Leuchten in den Augen der Kinder. Zu viel des „Guten“ läßt mit der Zeit den Funken der Freude verkümmern. Welches Geschenk aber könnte denn dem heutigen Menschen wieder echte Freude bereiten? Freude, die nachhaltig wirkt, Freude, die nicht egoistisch ist und andere teilhaben läßt. Bedarf es neuer, allgemeiner Armut?                         Es sind oft die unerwarteten oder ganz einfach scheinenden nicht materiellen Dinge, die wahre Freude bewirken können. Als ich einmal einen Rollstuhlfahrer in einer U-Bahnstation blitzartig vor dem Überkippen bewahrte, während andere wie paralysiert regungslos verharrten, war dessen Dankeschön von solch tiefer Herzlichkeit, daß es in mir ein ebenso tiefes Gefühl stiller Freude auslöste. Ein Gefühl, wie ein Geschenk des Himmels, das lange anhält und das man nicht irgendwann weglegt. Dasselbe vermag ein glückliches Lächeln eines Kindes auch bewirken. Göttliche Geschenke, die in keinem „Shoppingcenter“ zu haben sind. Wie sagt doch ein englisches Sprichwort ganz treffend: „Gold öffnet jede Tür, nur nicht die Himmelstür“.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s