Brauchen wir fremde Schlüsselarbeitskräfte?

Lassen wir einmal das alberne Theater selbsternannter Außenpolitiker ruhen und werfen wir einen Blick auf ein nicht minder fragwürdiges Bühnenstück heimischer Amateure: Mit der nun vorgestellten Rot-Weiß-Rot-Card (warum nicht gleich Red-White-Red-Card?) stellt sich Österreich erstmals offiziell als Einwanderungsland vor, zu dem es in Wirklichkeit, ohne das Volk je befragt zu haben, schon vor Jahrzehnten gemacht wurde. Jetzt aber, nachdem ungelernte Hilfskräfte aus Anatolien nicht mehr gebraucht werden,  will man so genannte „Schlüsselarbeitskräfte“ aus aller Welt holen.  5.000 jährlich sollen es gleich sein.                                                                                                                                         Die Industrie, auf deren Begehren diese Initiative gewiß zurückgeht,  zeigt sich hochzufrieden, scheint ihr doch die Ausbildung von Inländern all die Jahre zuvor kein großes Bedürfnis gewesen zu sein. Umso größer aber ein solches, bei dem ganzen Vorgang nichts Wesentliches dem zuständigen Minister zu überlassen. Wo kämen wir denn da hin, wenn die Politik sich schon wieder in Dinge einmischte, von der sie angeblich nichts versteht. Da müßte man womöglich so genannte mindere „Tschobs“ besser bezahlen. Was bei der Wiener Müllabfuhr der Fall ist, und wo der Ausländeranteil daher kaum wahrnehmbar ist.

Ein starkes Argument, nicht nur der Industriellenvereinigung, ist der Hinweis auf die demographische Entwicklung. Für diese ist ausnahmsweise die Politik hauptverantwortlich. Nur wird diese Entwicklung von der Mehrheit der Bevölkerung anders wahrgenommen als von den Politikern: Überfremdung und nicht Aussterben ist deren große Sorge. Noch kann eine einfache Hausfrau rechnen: Hätten wir weniger Fremde, brauchten wir, z. B., auch weniger fremdes Pflegepersonal in Krankenhäusern und Ambulanzen, die heute von fremden Heerscharen regelrecht belagert werden.  Ein leicht lösbares Problem.                                                                                                                               In unserem Land leben doch in Wirklichkeit bereits mehr Menschen als nötig, und es wird mehr verbaut als es ökologisch sinnvoll ist. Selbst wenn wir nur ein paar Millionen wären, würde unser Lebensstandard deshalb nicht sinken, der wahre Wohlstand aber eher steigen. Vorausgesetzt, man erkennt die richtigen Prioritäten. Es gäbe dann weniger Umweltverschmutzung, weniger Energieverbrauch, weniger Stress und, bei sinnvoller Lebensweise, vielleicht auch weniger Zivilisationskrankheiten.                                           Aber auf so wenige Einwohner würde dieses Land ohnehin nicht reduziert werden, denn unter lebensgünstigeren Bedingungen könnte es wieder sinnvoll werden, mehr eigene Kinder in die Welt zu setzen.

Es wäre den Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik sehr zu empfehlen, aus der unsinnigen Wachstumstretmühle aus- und in neue Denkkategorien einzusteigen. Dem Sein mehr Aufmerksamkeit zu widmen und ein anderes, trotzdem effizientes Wirtschaften mit besser gebildeten und ausgebildeten eigenen Arbeitnehmern ermöglichen.                         Bessere, hochintelligente Produkte werden heute schon in vielen österreichischen Betrieben mit rein österreichischen Arbeitskräften hergestellt, das könnte verstärkt werden. Für „niedrige“ Tätigkeiten steht heute, wenn nötig, ein inländisches Arbeitslosenheer bereit. Da schlummert eine Menge Human- und Kreativ-Potential drinnen, das zu reaktivieren möglich sein müßte, wenn man politisch nur wollte und auch unternehmerisch das Gemeinwohl mehr im Vordergrund stünde.                                             Damit schließlich aber auch das Rentensystem wieder in Ordnung gebracht werden kann, denn das ist ja ein weiteres Argument für mehr Einwanderer, wäre außer einem zu fördernden solidarischen Denken und Handeln auch „eine Systemumstellung (1/3 vom Arbeitnehmer, 1/3 vom Arbeitgeber, 1/3 vom Staat) wie sie den Schöpfern des Wohlfahrtsstaates vorschwebte“ (Walter Lüftl) vorstellbar.                                                     Die Österreicher haben nach dem Krieg dieses Land aufgebaut, und das nicht mit heute zur Verfügung stehenden großzügigen Mitteln und Ressourcen. Sie haben Großartiges geleistet und einen Wohlstand geschaffen, noch ehe Fremdarbeiter angeworben wurden. Sollte das nicht ein Ansporn sein, wieder vermehrt aus eigener Kraft zu schöpfen?

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