Standard verteidigt Lendvai

Die Veröffentlichungen in Ungarn über Paul Lendvai sorgen nicht nur dort für Unruhe. Erwartungsgemäß kamen umgehend Entlastungsoffensiven vom Standard, neben Profil eines der Top-Medien der Alt-68er in Österreich. Nach lachsroter Leseart handelt es sich bei den Anschuldigungen demnach um eine reine Retourkutsche des Orban-Regimes, nachdem Lendvai ein kritisches Buch über das heutige Ungarn und die jetzige Regierung veröffentlicht hatte. Im Übrigen, so der Standard, hat Lendvai in der Vergangenheit bereits alle Anschuldigungen „glaubhaft widerlegt“. Mag sein, in der Vergangenheit. Aber damals waren die jetzigen noch nicht bekannt. Eine Auseinandersetzung mit den jetzt von einem ehemaligen Botschaftssekretär als echt bezeichnenden Dokumenten (Aktenvermerke von Angehörigen der Botschaft der Volksrepublik Ungarn)  haben die beiden Standard-Journalisten Josef Kirchengast und Gregor Mayer bisher aber nicht für nötig empfunden. Recherche, überprüfen, wozu – nicht wahr?                                                  Daß Lendvai dem Regime wohlwollende Berichte verfasste, erklärt Mayer damit, daß das journalistische Taktik gewesen sei. Mit einem solchen dialektisch gefärbten Hinweis könnte man eigentlich jedes Fehlverhalten rechtfertigen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, daß die Erläuterungen der beiden Journalisten identisch sind mit den Erklärungen Lendvais in einem ungarischen Radio.

Der Standard, stets als Qualitätszeitung gehandelt, scheint aber nicht nur in dem Fall Lendvai nicht ganz glaubwürdig. Eine aufgeregte Berichterstattung in derselben Ausgabe über ein abgesagtes Treffen von Le Pen mit ehemaligen Fremdenlegionären in Wien ist eine ausgesprochene Zeitungsente, denn ein solches war, nach Auskunft des Vereins ehemaliger Legionäre, nie vorgesehen. Geradezu lächerlich ist in diesem Beitrag die Annahme, Le Pen komme immer wieder zu dem Treffen der Legionäre in deren Vereinslokal in Wien. Leider falsch. Aber selbst wenn es so wäre, was könnte denn daran so schrecklich sein, käme der ehemalige Legionsoffizier Le Pen als Privatmann nach Wien um mit ein paar alten Kameraden, die, nebenbei bemerkt, an Politik wenig interessiert sind,  ein Glas zu heben und Erinnerungen auszutauschen? Glauben die wachsamen Antifaschisten des Standard gar, ein paar alte Herren planten einen Putsch oder so etwas Ähnliches? Der Standard und ihm ideologisch verwandte Medien täten gut daran, ihre paranoide Berichterstattung über Rechte etwas zu drosseln.

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