Wehe uns!

Wie Musik den Charakter veredeln könne , das  versucht der Komponist Alexander Blechinger (www.harmoniaclassica.at) in einem seiner Beiträge  gleichen Titels zu veranschaulichen. Klassische Musik und, wie sie der Komponist nennt, „Schöne neue Musik“  sind  dabei  gemeint.  Nun, es besteht  wohl  kein Zweifel, daß  in Discos mit Höllenlärm, Lichtorgien und reichlich Alkohol  und Drogen an eine Charakterveredelung gewiß kaum  zu  denken ist und dort auch  ganz gewiß nicht „das Streben des  Menschen  nach Harmonie mit dem Universum“  im  Vordergrund steht.                                           Aber nicht nur schöne  Musik, auch Kunst und Kultur oder Architektur können ihren Beitrag zu menschlicher Bildung und seelischer Reife leisten. Was sie in der Vergangenheit auch zur Genüge unter Beweis gestellt haben. Allerdings wurden die Kulturleistungen vergangener Epochen, besonders aber der frühen Hochkulturen, von Einzelnen oder kleinen Gruppen geleistet, die in der Lage waren, z. B. anorganische Natur plastisch zu beleben und sie auf eine höhere Stufe zu heben. Diese Werke wurden von einem naturnahen Geist gebildet, der nicht dem Materiellen diente. Die  Kunstschaffenden  dieser Zeit wirkten nicht in einer leblos scheinenden Umwelt und schufen daher, geistig und seelisch im Einklang mit ihrem Werk, Bleibendes über ihren Tod hinaus. Was den Scharlatanen der Gegenwart  kaum gelingen dürfte.

Damit sprechen wir indirekt ein Hauptproblem unserer Zeit an:  Der enorme Fortschritt der Technik bei gleichzeitigem Zurückbleiben des  geistig-seelischen Bereichs. Wobei  natürlich auch so mancher Künstler davor nicht verschont bleibt. Aber der Mensch ganz allgemein lebt ja heute in einer Umwelt, in einer zweiten Natur quasi, die  andere vor ihm nie gekannt haben. Viele der Dinge, die einst organisch hergestellt wurden, werden heute von Produkten aus  anorganischen Grundstoffen verdrängt. Das reicht  bereits  in alle Bereiche des Lebens hinein. Der Plastikmüll etwa, der unseren Alltag zudeckt und die Meere und unsere Gesundheit versaut, ist  ebenso ein sichtbarer  Ausdruck dafür wie das „neue Bauen und Planen“, das sich in kalten, abweisenden Stahl-Beton-Glas-Konstruktionen und chaotischer Stadtgestaltung  äußert. Solchen Schöpfungen des vom Profitdenken beflügelten technisch-organischen Intellekts begegnet man heute auch in Wien, und das bald  auf Schritt und Tritt.                                                                                   Friedensreich Hundertwasser hat einmal gesagt, wenn er jemanden in einem dieser Monster- Bauten sprechen will, dann geht er zur nächsten  Telefonzelle, ruft den Betreffenden an, und ersucht diesen, er möge herauskommen. Denn er, so Hundertwasser, würde da nie hineingehen. So wie ein normaler,  „altmodischer“  Mensch  keine dieser krankmachenden Mega-Tanzhöllen öfters als einmal freiwillig betreten würde.

Nun hat das Leben in einer wenig menschenfreundlichen Umwelt und der Umgang mit leblosen Dingen aber auch noch andere Folgen. Hier muß gar nicht erst die ganze Palette gesundheitsschädlicher Substanzen und deren Auswirkungen  beschrieben werden. Weniger beachtet werden nämlich die moralischen Folgen, die sich längst auf allen Gebieten des gesellschaftlichen, wie des sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens  bemerkbar machen.                                                                                                                             Die dauernde Beschäftigung mit leblosen Dingen läßt außerdem vielerorts ethische Barrieren leicht durchlässig  werden.  So könnte man, abstrakt gesehen,  selbst Konzernmanager oder Finanzhaie als Geschöpfe eben eines  anorganischen Geistes sehen. Aber auch Politiker, die nur Stimmenmaximierung und Luxuspension im  Kopf haben, dürften bereits aus demselben Holz geschnitzt sein. Alle Genannten scheinen wahlverwandt mit jenen Künstlern, denen es mehr auf Reproduktion oder  totes Stückwerk  denn auf lebendige Ganzheit  ankommt.  Wo, nicht zuletzt,  das Anschauliche die Gefühlswelt des Betrachters  verletzt oder bestenfalls unberührt läßt. Wehe uns, wenn wir das weiter gleichgültig hinnehmen!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s