Nicht ganz unproblematische Beziehungen

In Der Israelit (www.derisraelit.org) erschien ein Beitrag des jüdischen Antizionisten Reuven.J.Cableman über die intensiven Beziehungen einiger Rechtsparteien zur israelischen Rechten. Ich habe an anderer Stelle schon einmal andeutungsweise darüber geschrieben und über die Hintergründe gemutmaßt. Im Großen und Ganzen bestätigt nun dieser Autor die damaligen Indizien, daß einige Gruppierungen wie Pro Köln,Vlaams Belang, italienische und spanische Rechte, seit einiger Zeit auch die FPÖ, enge Beziehungen auch zum israelischen Likud etwa pflegen oder gerade anstreben. Zu Straches Partei schreibt Cabelman nun: “Auch die ehemals als zumindest „Israel“-kritisch zu beurteilende Freiheitliche Partei Österreichs hat längst entdeckt, dass man mit dem Schüren der Angst vor „dem Islam“ mehr Punkte erzielen kann als mit ständigen Grabenkriegen mit der zionistischen Gemeinde Wiens. So war es nur folgerichtig, dass sie – selbstverständlich auch unter Einflussnahme ihrer national-zionistischen Parteisoldaten im Dienste der „zionistischen Sache“ um David Lazar – den neuen Kurs Straches anleitet und unterstützt und sich mehr und mehr dem Nationalzionismus anbiedert. Straches Verteidigung des letzten zionistischen Mordens in Gaza Anfang des Jahres ist dafür Beweis genug und soll deutliche Signale an das zionistische Regime aussenden, dass man auf Österreichs Rechte letztlich zählen kann.“

Eigentlich nicht ganz so überraschend das ganze; auf gewisse programmatische Gemeinsamkeiten zwischen Likud und Nationalen in Deutschland oder hierzulande hatte ich ja auch schon früher einmal hingewiesen. Allerdings im Lichte der durch die NS-Zeit belasteten deutsch-jüdischen Beziehungen der letzten Jahrzehnte irgendwie doch sensationell diese Entwicklung. Über die Ursachen dieser Annäherung bestätigt der Beitrag Cabelmans meine Analyse. Im Groben:  Der einen Seite ist an fünften Kolonnen gegen den Islam in Europa aus verschiedenen Gründen gelegen, und dazu eignen sich eben ihr ideologisch nahestehende Rechte am ehesten. Die andere Seite erhält in ihrer politischen und publizistischen Arbeit sozusagen zionistischen Flankenschutz, muß sich aber von der NS-Zeit und den NS-Verbrechen deutlich distanzieren und darf die Wiedergutmachungs-bzw. Restitutionsfrage nicht negativ bewerten.

Wie im Detail etwaige Abmachungen nun tatsächlich aussehen, kann nur erahnt werden, darüber wird aber beim jüngsten Treffen dieser EU-Rechten in Wien zumindest in Vier-Augen-Gesprächen gewiß auch gesprochen worden sein.  Abzusehen ist aber, daß man mit einer wenig intelligenten Anti-Islam-Politik wie bisher den nationalen Gesamtinteressen der jeweiligen europäischen  Länder nicht gerade dienlich ist, da man die Feindschaft des Islam weltweit herausfordert und damit nicht nur die wirtschaftlichen Interessen Europas gefährdet. Doch immerhin gesichert dürfte zumindest Straches weitere Karriere sein – soferne dieser seine neuen Freunde nicht doch noch enttäuscht – wenn etwa die jetzige Führung einmal abgelöst werden sollte.

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3 Antworten zu Nicht ganz unproblematische Beziehungen

  1. Hannes Wader schreibt:

    Aber Herr Müller, wie können Sie nur Strache dessen geläuterte Israel-Politik vorwerfen? Er versucht doch nur, eine vernünftige Alternative zur Realität zu schaffen!
    Apropos Gaza-Morde: Die einzige deutsche Partei, die hier das Kind beim Namen genannt hat, war die „Linke“/Linkspartei/PDS/SED. Das passt vielleicht nicht in Ihr Weltbild, sollte aber auch mal erwähnt werden, danke!

    • Helmut Müller schreibt:

      Die Wahrheit ist zumutbar, wie es so schön heißt. Egal wer sie ausspricht oder an wen sie adressiert ist. Im übrigen denke ich nicht in Kategorien von links oder rechts. Entscheidend ist, nützt es dem Ganzen (nationale, soziale, kulturelle demokratische, ökologische und volkswirtschaftliche Belange) oder schadet es ihm.

  2. kurt mäser schreibt:

    Diese Anbiederung an die Zionisten ist widerlich. Übrigens könnte man die Vorwürfe, die von FP-Seite in Richtung Islam gemacht werden, genauso gut gegen die Zionisten und ultra-orthodoxen Juden richten. Die sind nicht weniger agressiv und menschenverachtend unterwegs. Das müßten die Blauen eigentlich wissen.

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