Man sägt an dem Ast, auf dem man sitzt

Die Familie sei die Keimzelle des Staates. So hieß es in Österreich einmal. Das war zu einer Zeit als Familien und Kinder noch nicht den Stellenwert von Produktionskosten hatten. Diese aber muß man ja heutzutage senken. In einem Klima der allgegenwärtigen Kommerzialisierung und der Spekulation verwelken dabei zu allererst die heimischen Familien. Vor allem wenn, wie jetzt, Beihilfen gekürzt werden. Was eben weniger die  frisch zugewanderten und noch folgenden Großfamilien aus Anatolien betrifft, denn die sind ja zumindest in den ersten Jahren äußerst genügsam und kommen auch mit weniger Familienbeihilfe aus. Und: sie produzieren kostengünstigen Nachwuchs. So sehen  es  anscheinend die Lenker der Wirtschaft und die ihnen ergebenen Politiker. Daß dies längerfristig zum Nachteil von uns allen geschieht interessiert weniger, denn wichtig ist allein der schnelle Profit.

Es ist bedauerlich, daß  gerade auch patriotisch oder national orientierte Politiker diese Entwicklung zwar anprangern, die ökonomischen Strukturen im Hintergrund des  gesellschaftlichen Niedergangs aber zu wenig beachten oder ganz außer acht lassen. Denn was sie dort sehen, ist meist nur ein mit dem Scheckbuch winkender Kapitalist. Es sind allerdings der  unter dem Deckmantel der sozialen Marktwirtschaft tätige Kapitalismus und dessen willfährige Helfer in Staat und Gesellschaft, denen wir unsere heutige  Lage zu verdanken haben. Mit dem halbwahren und heuchlerischen Wahlspruch „Geht es der Wirtschaft gut, geht es uns allen gut!“ wird das Ziel eines  räuberischen Kapitalismus verschleiert und werden dessen Gewinninteressen über jene eines Staates oder eines Volkes gestellt.  Der Profit zählt, sonst nichts, dadurch wird alles andere, wie Familien, Kultur und Umwelt,  zur Nebensächlichkeit und so beschämend Schwachsinniges wie dieses US-amerikanische „Haloween“ zum Umsatzsteigerer.

Nun wird kein vernünftiger Mensch abstreiten, daß ein Unternehmen auch Gewinne machen muß. Aber der Spaß hört sich eben dann auf, wenn dies zu Lasten einer wichtigen Bevölkerungsgruppe oder der Allgemeinheit und deren Identität und Kultur  geht. Die Finanzkrise hat doch gezeigt, daß die uferlose marktwirtschaftliche Kapitalvermehrung nicht automatisch das Gemeinwohl fördert, sondern das Gegenteil. Wenn schließlich die Familie unter die Räder kommt, dann sägt man in Wirklichkeit an dem Ast, auf dem man sitzt. Denn auch millionenschwere Politiker, und die gibt es in Österreich auch,  können –  unter  den herrschenden, von ihnen mitverursachten  ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen – damit selbst ihren eigenen Nachfahren keine Mega-Katastrophe in Zukunft  ersparen. Und die wird kommen, wenn sich bei  den politisch Verantwortlichen nicht ehestens jene revolutionäre Erkenntnis einstellt, die Voraussetzung für ein nationales Heilsprogramm wäre.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Man sägt an dem Ast, auf dem man sitzt

  1. kurt mäser schreibt:

    Man kann doch predigen und warnen so viel man will, die Politiker machen, was sie wollen. Einmal wird der Gigl gewählt, dann wieder der Gogl, und es bleibt wie es ist. Die Leute sind zu blöd, um das zu kapieren.

    • Siegfried EDER schreibt:

      Werter Kurt Mäser, wenn die (Exekutiv-) Politiker-innen machen, was sie wollen, dann muß ihre Macht verkleinert werden. Zum Beispiel indem wir nicht nur alle paar Jahre den Meister der Bürger wählen, sondern zeitversetzt auch die anderen Gemeinderäte. – Die „Leute“ soll man nicht für blöd halten, sie haben genug Hausverstand, nur ist er nicht gefragt, es gibt keine Sach-Entscheidungen bei uns, es gibt keine direkte Demokratie. – Hans-Jakob Rousseau sagt, daß die Mehrheit der Bürger immer eine gute Entscheidung fällen. Aber diese Einsicht wird bei uns seit 200 Jahren erfolgreich verborgen. – Die Leute sind nicht blöd, das sollst Du nicht einmal denken, es verdirbt Deinen Charakter. Sie sind allenfalls blöd gemacht durch die Massenmedien. Darum predige weiter, aber mit einer positiven Einstellung.

  2. Cornelia schreibt:

    Halloween gehört zu jenen Ablenkungsdingen mit denen man in Amerika schon eine ganze Nation vertrottelt hat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s