Von Sinn und Unsinn

Ein Gespräch mit gebildeten Menschen wird von vielen sehr geschätzt, auch wenn umfassend Gebildete heute schon eine Seltenheit sind. Einer solchen Persönlichkeit zu begegnen, ist schon beinahe ein Geschenk aus heiterem Himmel. Ein Geschenk,  dem,  außer  großem erworbenem  Wissen  und reicher  Lebenserfahrung,  auch noch  Herzensbildung innewohnen. Doch vielleicht mehr Mitmenschen  als man annehmen möchte,  versuchen möglicherweise  in die Nähe dieses Ideals zu kommen. Wo man da selbst einzureihen wäre, können natürlich wieder nur andere beurteilen.

So oder so ist es aber schon ein Gewinn, wenn man, neidlos und ohne Vorurteile,  an einem Geist und Gemüt befriedigenden  Gespräch teilnehmen darf. Fehlen diese tugendhaften  Voraussetzungen, dann sollte man zumindest allzu Politisches auszuklammern versuchen. Daß in der Politik mehr Dampfplauderer und Egozentriker zu finden sind, mag ja in einem ursächlichen Zusammenhang damit stehen.  Gespräche abseits des Politischen gehören daher, für mich zumindest,  zu den interessantesten und weiterbildensten überhaupt. Selbst wenn  gelegentlich auf Nebenschauplätzen eines Themas sehr unterschiedliche Meinungen zu Tage treten, bleibt so ein Meinungsaustausch nicht weniger  wert- und sinnvoll und muß nicht in Streit ausbrechen. Vor allem, wenn gutes, klares Deutsch gesprochen wird.

Neulich war ich zu einem Vortrag mit  anschließendem Gespräch im kleinen Kreis eingeladen. Wie so oft, sind es eben kleine, zum Thema oft gar nicht wirklich gehörende Details, die Einwendungen notwendig machen. So geschehen, als der Vortragende, ein akademisch gebildeter, früherer Unternehmer, den ihn wichtig scheinenden Behandlungsgegenstand mit einem englischen Wort hervorzuheben bemühte. Weitere solcher Anglizismen durften im Laufe seiner Ausführungen dann nicht fehlen. Als ich nachfragte, warum er diese  für nötig halte und ob er glaube, daß dieses Fremdwort unser  Lebensgefühl  wiedergebe und unserer  Lebenswelt entspräche,  schaute er mich erst  verdutzt an,  wußte aber zunächst keine mich befriedigende Antwort zu geben.

Eine Gesprächsnachbarin, ebenfalls Akademikerin und wissenschaftlich tätig, versuchte mir freundlich zu erklären, daß wir in einer global vernetzten Welt lebten und es daher üblich sei mehrsprachig zu sein. Ja, mehrsprachig  schon , erwiderte ich, aber wenn ich einmal englisch spreche, und das halbwegs, dann nur,  weil keine andere Verständigung mit meinem Gegenüber möglich ist, aber sonst eben deutsch, das meine Muttersprache sei. Und im Übrigen, meinte ich,  möchte ich meine Sprache und Kultur nicht vernachlässigen. Wie Franzosen oder Polen und viele kleine Völker  es  auch tun. Ich habe sie damit vorerst wohl nur halb überzeugt, aber, wie ich zu bemerken glaubte,  nachdenklich gemacht gewiß auch.

Gerade auch Medien, denn die waren in dem erwähnten Vortrag auch angesprochen, sind ein gutes Beispiel dafür, wie oberflächlich und manchmal sinnwidrig man sich der Staatssprache Deutsch bedient. Es erübrigt sich hier die ganze Latte an massenhaften Sprachvergehen anzuführen, aber ein typisches Denglisch-Beispiel sei genannt: In der Nachrichtensendung des österreichischen Fernsehens FS2  am 17. September dieses Jahres lieferte eine durchaus  sympathische Blondine einen Sprachschnitzer, indem sie ankündigte, „Wir schalten jetzt live nach London…“.  Ui je! Ui je! Davon abgesehen, daß dieses seuchenartig herumgeisternde „live“ an sich seit jeher überflüssig ist,  war es gerade hier  und „jetzt“ absolut fehl am Platz.

Da solche eigentlich unverzeihlichen „Dummheiten“ sich laufend wiederholen,  fragt man sich schon, was das ganze soll.  Ähnlich wie bei dem  inzwischen schon fast unverzichtbaren Neudeutschem „…das macht Sinn“. Von höchster politischer Stelle abwärts bis zu den Darstellern der Seitenblicke-Gesellschaft  wird eifrig versucht,  Sinn „zu machen“. Es ergibt nur, trotz intensiven Schürfens, meist  keinen. Produziert  man  deshalb so viel  Unsinn, weil man möglicherweise unfähig ist,  des eigenen Lebens Sinn zu entdecken? Oder soll da irgendwann so etwas wie ein neudeutsches Kauderwelsch als „österreichische Sprache“  doch noch aus der Taufe gehoben, kurz, am Ende auch sonst  alles umgekrempelt  werden?  Sinnvolles könnte ich, bei Gott, darin nicht erblicken.

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5 Antworten zu Von Sinn und Unsinn

  1. Helmut Schramm schreibt:

    Wenn wir uns nicht rechtzeitig von der EU lösen, wird der Bundesstaat EU – mit oder ohne Legitimation – weiter verfestigt. Zu einem Bundesstaat EU gehört natürlich auch eine eigene Sprache. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die US-hörige EU Deutsch als Amtsprache einführen wird.

    Deswegen wird den Bürgern schon jahrelang der Kopf mit Englisch vollgepumpt.

    http://www.webinformation.at
    http://www.eu-austritts-volksbegehren.at

  2. Peter Frey schreibt:

    Denglisch ist wahrlich ein Ärgernis, dennoch halte ich die deutsche Sprache für stark genug, in ihrer Gesamtheit resistent dagegen zu sein. Viel gefährlicher scheinen mir
    Sprachvermischungen zu sein, die wir in imer stärkerem Ausmaß in migrantisch dominierten Bereichen finden. Die Deutschen passen sich dieser Subform unserer Sprache an und tradieren diese wieder. Redewendungen wie „Isch mach Dich Messer“ dienen dann in Zukunft nicht nur als Parodievorlage für Kabarettisten, sondern als Teil eines neuen Kursprogramms für Eingeborene zur Anpassung an die Mehrheitsbevölkerung. Schöne neue hybride Sprachwelt!

  3. Peter Frey schreibt:

    Die Problematik ist nicht ganz neu!!!! Zum Nachlesen:
    „Wir wollen heimjagen, woher sie gekommen sind, alle die verrückten, ausländischen Gebräuche und Moden, alle die überflüssigen Fremdwörter. Wir wollen aufhören, die Narren der Fremden zu sein und zusammenhalten zu einem einzigen, unteilbaren, starken, freien deutschen Volke.“
    Friedrich Engels, Appell aus dem Jahre 1840

  4. helmut mueller schreibt:

    Es kommt Freude auf, wenn man merkt wie stark das Thema den Menschen unter den Nägeln brennt. Und Zuversicht, denn mit dem Abstieg US-Amerikas wird sich doch auch hoffentlich dessen Herrensprache verflüchtigen.

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