Brauchen wir ein Berufsheer?

Vor  einem Jahrzehnt haben sich Befürworter daran noch die Zähne ausgebissen, jetzt bekommen sie dasselbe vorgekaut: das Berufsheer. Die NATO will es, die EU will es, und deren gemeinsamer Wille ist aller opportunistischen Politiker Himmelreich. Wahrlich überzeugende Argumente für so ein Heer konnten bisher nicht vorgebracht werden. Man operiert mit für den Laien nur teilweise  einsehbaren „Fakten“, wenn es etwa um angeblich überflüssig gewordene Bedrohungsszenarien oder die Finanzierbarkeit geht. Umgeben von befreundeten Staaten könne uns überhaupt nichts mehr passieren, und für Katastrophenschutz oder Terrorgefahr  genüge eine Armee von 15.000 Mann, die noch dazu längerfristig kostengünstiger sei als das jetzige Bundesheer, wird argumentiert. Das ist ausgesprochenes Wunschdenken. Auch das an Stelle des Zivildienstes vorgeschlagene Soziale Jahr für alle müßte sich erst einmal bewähren.

Nun ist damit eine Diskussion in Gang gebracht, und das ist gut so. Es ist ja tatsächlich so, daß neben der geltenden Sicherheitsdoktrin eben auch Sinn und Zweck des Bundesheeres  in seiner heutigen Form und unter den herrschenden Rahmenbedingungen grundlegend neu überdacht gehörten. In diesem Zusammenhang stellen sich ja Fragen wie: Gibt es überhaupt noch ein Vaterland, das zu verteidigen, es sich lohnen würde? Wenn ja, welchen Stellenwert  wollen wir einem jungen Menschen zubilligen, der bereit wäre, dieses, also seine Heimat,  zu verteidigen?  Und könnte es nicht sein, daß der Feind von morgen bereits heute zu Gast ist?  Außerdem: wie kann der Dienst gestaltet werden, daß er attraktiver wird als jetzt und in Folge auch ein entsprechend sinnvoller Nachfolgenutzen gegeben ist? Ein derzeit angeblich eintöniger und sinnloser Dienst wird ja von den Kritikern eines Volksheeres besonders herausgestellt. Den gibt es allerdings auch bei einem Berufsheer, zumindest in Friedenszeiten.

Das Grundübel seit jeher ist ja, daß die Parteien sich da stets hineingemischt, heeresintern Konfusion erzeugt, verteidigungspolitisch manches inhaltlich verwässert, sowie  das Heer insgesamt finanziell ausgehungert haben.  Daß das Bundesheer  heute da ist, wo es  ist, hat natürlich auch  geopolitsche und strategische Ursachen, aber Hauptübel  sind  die ideologisch und parteipolitisch motivierten Einmischungen. Dem Bundesheer würde es unter einer verantwortungsvolleren politischen Führung nicht an Aufgaben und Sinnerfüllung fehlen. Doch solange von oben nur verunsichert wird und unklare Bekenntnisse zu einer allumfassenden, aus  dem Willen des Volkes hervorgegangene Landesverteidigung kommen, kann die Infrage-Stellung des heutigen Heeres eben weiter vorangetrieben werden.

Kurz und gut, das System des Milizheeres wie wir es kennen, scheint mir nach wie vor ein Fundament zu sein, auf dem man, vor allem auch in Hinsicht einer weiterführenden Ausbildung und Verwendung (Könnte das Bundesheer nicht bei Katastrophen in Nachbarländern, wie jetzt in Ungarn, helfen?), weiter aufbauen könnte. Wobei nicht die Dauer, sondern die Intensität und Qualität der Ausbildung Vorrang haben sollten. Im übrigen wäre eine, dem Bundesheerkommando unterstellte Eliteeinheit von Freiwilligen für Sondereinsätze durchaus zusätzlich denkbar. Aber grundsätzlich sollte es bei einer Armee von Wehrpflichtigen bleiben. Wie entscheidend dies sein kann, zeigte sich 1961 beim Putsch der französischen Generäle in Algier. Sie scheiterten nicht zuletzt auch daran, daß die Armeeführung, der aus Wehrpflichtigen bestehenden regulären  französischen  Streitkräfte,  sich den Putschisten nicht anschloss.

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Eine Antwort zu Brauchen wir ein Berufsheer?

  1. Helmut Schramm schreibt:

    Frieden durch die Einhaltung der immerwährenden Neutralität will das Volk. Dazu gehört eine glaubwürdige Landesverteidigung. Die Wehrpflicht ist ein Fundament dazu. Die Abschaffung ist ein weiterer Schritt in Richtung NATO/EU/Militarisierung. Das sollen wir uns nicht gefallen lassen und aus der EU austreten.

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