Vom Zentrum an den Rand?

Mit eher mulmigem Bauchgefühl werden aufmerksame Beobachter, einerseits die im Rahmen der Finanz- und Wirtschaftskrise sich darstellende Lage in Europa, andererseits die gleichzeitig weltweit sich verändernden Bedingungen zur Kenntnis nehmen. Nicht übersehen werden dürfen auch die schwerwiegenden innenpolitischen Probleme in einigen EU-Ländern.

Nach Griechenland, das noch lange nicht aus dem Schneider ist, stehen Irland, das in der Vergangenheit leichtsinnig seinen Wohlstand genossen hat, und Portugal, das jetzt zwischen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen zu entscheiden hat, vor einer wahrscheinlichen Restrukturierung ihrer Staatsschulden. Spanien mit einer Arbeitslosigkeit von 20 Prozent könnte bald folgen. Und was, wenn die wirtschaftliche Lage in Osteuropa sich weiter verschlimmert und von den dortigen Regierungen nicht mehr in den Griff zu bekommen sein wird?

Angesichts dieses sich abzeichnenden europäischen Debakels, kann sich das ungute Gefühl nur verstärken, vergleicht man dazu die ökonomische Entwicklung in China oder Brasilien. China, das praktisch in Geld schwimmt und derzeit währungspolitisch sogar den USA die Stirn bietet, investiert inzwischen Milliarden im Ausland, kauft einen Nahrungsmittelkonzern in England, baut Straßen auf dem schwarzen Kontinent und beteiligt sich an Erdöl-Projekten vor Brasiliens Küste sowie in Afrika (und das alles ohne die große Last politischer oder moralischer Bedenken, wie sie Europäer plagen). Peking ist zudem bereit Milliarden in Griechenland zu investieren, und nicht zuletzt hat man mit Moskau ein historisches Abkommen geschlossen: Investitionen in Rußland und Marktöffnung für russische Unternehmen gegen Öl und Gas.

Sollten sich die Europäer nicht, wie man so sagt, am Riemen reißen, können sie sich ungefähr ausmalen, wo sie in zehn Jahren stehen werden: Wahrlich am Rande der Welt, völlig abhängig von an Ressourcen und Energie reichen Staaten. Aber nirgendwo ist ein Konzept in Sicht, daß den Herausforderungen gerecht werden könnte. Zumindest eines könnte man von den neuen auch ökonomisch starken Staaten übernehmen: den Vorrang des Nationalen vor der Ökonomie.

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