System überwinden

Die alte Binsenweisheit, daß, wenn Wahlen grundsätzlich etwas bewirken würden, man sie längst verboten hätte, kann durch eine Aussage des bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer ergänzt werden. Anläßlich eines Gesprächs mit TV-Spaßmacher Pelzig meinte er, jene, die gewählt werden, hätten nichts zu sagen, während jene, die etwas zu sagen hätten, nicht gewählt werden.

Diese Erkenntnis setzt sich langsam auch im Volke durch und mag wohl ein Grund dafür sein, daß immer mehr Wahlberechtigte am Wahltag zuhause bleiben. Sie könnten bald Verstärkung erfahren durch jene, die zuletzt aus Protest irgendeine andere, nur  nicht ihre oder eine ihrer Gesinnung nahestehende, aber versagende Partei gewählt haben. Sie werden aber auch von jeder anderen Partei bald enttäuscht sein, somit rasch einen höheren Pegel der Frustration erreichen.

Dieser Mißstand hat natürlich mehrere Gründe, zwei davon seien hier genannt: Da ist einmal die nach außen gerichtete Tatsache, daß die nationalen Regierungen immer mehr Einfluß- und Gestaltungsmöglichkeiten an Brüssel oder internationale Konzerne und Institutionen abgeben. Zum anderen liegen unzählige Interessenvertreter nicht nur den EU-Bonzen, sondern auch den Regierenden und so genannten Volksvertretern im jeweiligen Lande selbst ständig in den Ohren und vermehren  dadurch ihren Einfluß. Während der des Volkes stetig zurückgeht und von Bürgerinitiativen nur schlecht und recht kompensiert werden kann. Am Wahltag geht es daher nicht mehr um Volkes Interessen, sondern vor allem um die Sicherung oder Erringung jener Macht, die materiellen Gewinn für den Einzelnen wie für seine Partei garantiert oder begünstigt.

Wer aber möchte, daß sich grundsätzlich etwas ändert, müßte ja eine ganz andere Partei wählen (wenn es sie schon gäbe). Eine, die bereit ist, das bestehende korrupte politische System zu überwinden, einen Austritt aus dieser anscheinend nicht reformierbaren EU anzustreben und – ausgezeichnet durch Redlichkeit und Kritikfähigkeit seiner Führung und vorbildliche Haltung seiner Funktionäre –  in glaubwürdiger Weise die Sache des Volkes wie die Europas insgesamt über alle anderen Interessen zu stellen weiß.

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3 Antworten zu System überwinden

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    Das Nichtwählen bringt insoferne nichts, als es unter Umständen denjenigen Leuten hilft, die man am wenigsten mag oder denjenigen schadet, denen man noch irgendetwas Positives abgewinnen kann, wenn auch vielleicht mit Vorbehalt. Wählen ist also eine Art provisorischer Notbehelf. Wichtig wäre es, wenn man NGOs (die es ja keineswegs nur links gibt, obgleich das oft angenommen wird) zu einer gewissen Stärke verhelfen könnte. Damit ist allerdings realistischerweise kaum zu rechnen, da kleine Splittergruppen meist irgendeinen wichtigtuerischen Capo an ihrer Spitze haben, der vor allem sich selbst meint und nicht das Anliegen. Auch kann über das Kernanliegen meist kein Konsens erzielt werden, da sich die Geister an irgendwelchen haarspalterischen Querelen scheiden. Jemand, der in der Lage wäre, den wesentlichen Punkt herauszukristallisieren und das auch zu vermitteln, wäre wünschen wert; dazu müsste er fesch wie Strache, überzeugt und beharrlich wie Schachtschneider, unerschrocken wie Sarrazin sein usw. Da ist guter Rat teuer.

    • Hans-Jakob Rousseau schreibt:

      Werte Frau Kupf,
      der Rat ist gar nicht teuer, aber man müßte die Bescheidenheit haben, ihn anzunehmen, und daran krankt es. Die Wiener fühlen sich zu erhaben, als daß sie von einem Genfer einen Rat annehmen würden. (Der Gesellschaftsvertrag, Samuel-Fischer-Verlag Frankfurt am Main, Taschenbuch, ca. 8 Euro.) – Und nachdem das Wiener Denken durch seine Mehrheit ganz Österreich beherrscht, wird sich weiterhin nichts ändern.

  2. helmut mueller schreibt:

    Vor allem nicht käuflich sein!

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