An diesem Wochenende ist im Wiener Rathaus das jährliche „Highlight” einer dekadenden Gesellschaft, der „Life-Ball” des Schwulenaktivisten Gery Keszler, zum zwanzigsten Male zelebriert worden. Wie immer schrill, übermütig und unüberhörbar. Ob einer der anwesenden Gäste, darunter auch publicitygeile Politiker, auch nur eine Sekunde an die sich zuspitzende Lage in Fukushima gedacht hat? Weit hergeholt? Ganz und gar nicht, wenn man mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht. Denn morgen schon könnten auch wir Betroffene einer noch möglich scheinenden Super-Katastrophe in Japan sein. Wie das? Hören wir, was der ehemalige japanische UNO-Diplomat, Akio Matsumura, uns zur Lage im Reaktor 4 in Fukushima zu sagen hat:
Die gelagerten bzw. vorhandenen hochradioaktiven Brennelemente, insgesamt 11.000, stellen eine ernste Gefahr für Japan und die übrige Welt dar. Die radioaktive Komponente Cäsium 137 in den Brennstoffaggregaten ist 85mal größer als in Tschernobyl. Ein zu erwartendes weiteres Erdbeben der Stärke 7,0 könnte die Kühlung unterbrechen oder das Kühlbecken zerstören, was zu einer noch nie erlebten Katastrophe führen würde. Wenn Politiker die Lage und die möglich erscheinende Katastrophe kennen, dann frage ich mich, warum sie dazu schweigen. Viele Wissenschaftler glauben nicht daran, daß die im Pool des Reaktors 4 gelagerten 1.535 Brennstäbe innerhalb von zwei bis drei Jahren entfernt werden könnten. Japanische Wissenschaftler halten es für möglich, daß innerhalb der nächsten drei Jahre ein weiteres Erdbeben der Stärke 7 die Region Fukushyma erschüttern wird. Das beschädigte Reaktorgehäuse könnte einem weiteren Beben aber nicht standhalten. Japan und die Betreibergesellschaft TEPCO haben nicht die nötige Technologie und auch nicht die Erfahrung um mit eine solchen Super-Katastrophe fertig zu werden.
Wenn man den Umgang der japanischen Politiker und des TEPCO-Managements mit dieser unheimlich gefährlichen Zeitbombe überdenkt, wird man unversehens daran erinnert, wie manche europäische Politiker ihrerseits mit Krisen und sich anbahnenden Katastrophen umgehen: Aussitzen, heißt da die Devise, es wird schon nicht so arg werden. Aber vielleicht erleben wir vorher einen Supergau nder Politik. Wie hochmotiviert und penetrant Politiker uns mit Schwachsinn aller Art auf Nebengeleise führen, anstatt an einem Rettungsschirm auch und vor allem gegen radioaktiven „Fallout“ zu arbeiten, demonstrierten unlängst zwei österreichische Politiker: Eine rotgrüne Gallionsfigur machte Aufsehen mit ihrem Vorschlag, an Schulen Kondome für Jugendliche zu verteilen, während ein anderer Linksliberaler, der etwas überforderte Verteidigungsminister, glaubt, in der Krypta am Heldenplatz einer im unbekannten Soldaten versteckten Kapsel mit NS-Texten nachjagen zu müssen. Da braucht uns ja um unsere Zukunft nicht mehr bange zu sein.
wieviele sind denn bis jetzt an den Folgen der Atomkatastrophe, wegen der die “dekadenten Schwulen” nicht feiern sollten, gestorben?
http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/03/11/mors-tua-vita-mea/
Unsere dekadente Gesellschaft ganz allgemein war gemeint, und die umfasst Schwule wie Nicht-Schwule natürlich. Ich bin allerdings nicht der Meinung, daß man mit solchen überspannten “Shows” einer Lösung des auch gesellschaftlich brisanten HIV-Problems auch nur einen Schritt näher gekommen ist. Dazu kommt, daß, dem Vernehmen nach, bei der Mehrheit das ohnehin bescheidene Interesse an solchen Veranstaltungen zu erlahmen beginnt. Zuviel ist manchmal zuviel des Guten. Zum Zweiten: im Gegensatz zu den Opfern des HIV-Virus kann die Zahl der vor allem an den (Spät-)Folgen der Nuklearindustrie Verstorbenen nur annähernd geschätzt werden und könnte, längerfristig gesehen, unter ungünstigen Umständen erstere bei weitem übersteigen.
bei Tschrnobyl liegt die Opferzahl bei 45, obwohl bereits 26 Jahre vergangen sind:
http://www.zeit.de/wissen/2011-04/tschernobyl-gesundheitsfolgen-bericht
und das ganze trotz sowjetischen Krisenmanagements, bei dem in der gefährlichen Phase alles vertuscht wurde, und so den Leuten die Möglichkeit genommen wurde, einfache wirkungsvolle Sicherheitsmaßnahmen zu treffen.
man hätte so wohl auch die erhöhte Zahl an Schilddrüsenkrebs-Fällen vermeiden können:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/jahre-nach-tschernobyl-spaetfolge-schilddruesenkrebs-1.634158
Woher stammt das Zitat bzw. die Zusammenfassung? Kannst Du eine Quelle angeben?
Richard Wilcox, Lehrkraft und Journalist in Tokio, schreibt immer wieder über die nukleare Gefahr und das schlechte Management bzw. die mangelhafte Information von TEPCO und Regierung.
Pingback: Botschaft aus Fukushima « Sache des Volkes